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BildIm Wald da ist das Wild und wo das Wild ist, ist der Wilderer nicht weit. Und wo die Dammwild-Desperados zu Gange waren, trat ihnen das Gesetz in Form der königlich-bayerischen Revierjäger mit grausamer Entschlossenheit entgegen. Der Wilderei fielen daher nicht nur Rehböcke, Hirschen und Gämsen zum Opfer. Auch unter den Zweibeinern forderte der erbittert geführte Kampf zwischen den Vertretern der Obrigkeit und den Oberland-Outlaws zahlreiche Opfer. Zahlen gefällig? In den Jahren zwischen 1822 und 1833 ließen 31 Wilddiebe und sechs Förster in Bayern ihr Leben. Allein in den beiden Jahren 1834 und 1835 kamen bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen im Isarkreis 13 Wilderer und vier Förster ums Leben.

Eine besonders „blutrünstige“ Episode im ewigen Kampf zwischen „Wilddieb und Jägersmann“ ereignete sich am 11.November A.D. 1833 zwischen den Weilern Grund und Schmerold nordöstlich von Gmund am Tegernsee. Die Vorgeschichte: am Nordufer des Sees hatte ein Jäger sein Revier, der nicht lange fackelte: Johann Baptist Mayr.

20140223_0262Mayr, der „Wilde Jäger von Gmund“ übernahm 1815 den mit 300 Gulden dotierten Posten des Revierförsters und griff „mit eiserner Faust“ durch.  Mayr war ein „brutaler, eiskalter Hund“, ein Typ wie Clint Eastwood, der ohne Pardon abdrückte. Einer, der nicht nur das Rot- und Schwarzwild, sondern auch die „Flurfrevler“ reihenweise zur Strecke und um die Ecke brachte. Elf Menschen, darunter auch harmlose Schwammerlsucher und Holzklauber, soll er erschossen haben. Im Fall des „Menten Sepp“ ging Mayr jedoch zu weit. In einer kalten Novembernacht stellte er den vermeintlichen Wilddieb auf „frischer Tat“, nahm in fest und jagte ihm kurz darauf in der Nähe von Miesbach eine Kugel in den Rücken. Angeblich hatte der „Menten Sepp“ einen Fluchtversuch unternommen. Es kam zu einer Untersuchung. Und der „wilde Jäger“ wurde für zwei Monate vom Dienst suspendiert. Für die Freunde des jungen Bauernsohnes war die amtliche Untersuchung nur eine Posse: Sie schworen Mayr Rache.P1010343

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Im November 1833 schritten die Verschwörer zur Tat. Am Jahrestag der Ermordung ihres Kameraden sollte Mayr für seine Untaten büßen. Es war der 11. November. Die Burschen lockten Mayr samt zweier Jagdgehilfen in einen Hinterhalt. Ort des Geschehens war die Geländesenke „am Grund“. Es entbrannte ein Kampf auf Leben und Tod – ein Kampf, der nicht etwa wie im Western à la John Wayne mit rauchenden Colts ausgetragen wurde. Die Angreifer schwangen vielmehr die Gewehrkolben ihrer „Schießprügel“, um den verhassten Jäger Mayr den Schädel einzuschlagen. Einer der Angreifer, der Hansl Waldhofer, wurde bei dem Gerangel von einem „sehr gefährlichen Hund“, attackiert und trug erheblich Blessuren davon. Wutentbrannt erschlugen seine Spießgesellen spornstreichs den Kampfhund Mayrs, der kurioserweise auf den Namen „Donau“ hörte. Dann stürzten Sie sich mit erneuerter Wut auf ihren ErzfeindeBild

Einer der Jagdgehilfen tat das einzig Vernünftige: er blieb scheinbar leblos liegen und stellte sich tot. So kam er als einziger mit dem Leben davon. Der zweite Gehilfe und Jäger Mayr hatten hingegen keine Chance gegen die wild drauflos knüppelnden „Malefizbuben“. Erst nachdem vom nahe gelegenen Weiler Schmerold einige Männer zum Ort des Gemetzels eilten, ließen die Angreifer von ihren Opfern ab und verschwanden unerkannt im Dickicht. Der Jagdgehilfe Nikolaus Riesch erlag noch am selbigen Tage seinen Verletzungen. Der „wilde Jäger“ hatte weniger „Glück“: sein geschundener, zerschlagener Leib wurde ins Jägerhaus nach Gmund gebracht.  Dort lag der Moribunde vier Monate lang – und litt Höllenqualen. Doch Mayr wollte oder konnte nicht sterben, weil er sich – so weiß es die Legende zu berichten – eine Hostie in die Hand hatte einnähen lassen, um vor Kugeln gefeit zu sein. Erst als ihm der Pfarrer von Gmund diese herausschnitt, wurde er von seinem Leiden erlöst. Am 16. Februar 1834 schlug dem „wuiden Jäger von Gmund“ das Todesglöckchen.

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Und was geschah den Rächern? Einzig dem vom Jagdhund gebissenen Waldhofer konnte eine Beteiligung an der Bluttat nachgewiesen werden – und als „Totschläger“ zu 16 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach dem er zehn Jahre seiner Strafe verbüßt hatte, wurde er auf inständiges Bitten seiner Braut, die ihm über all die Jahre die Treue gehalten hatte, begnadigt. Doch das Happy End war nicht von Dauer. Schon kurz nach seiner Freilassung verstarb er. Seine Mitverschworenen kamen ungeschoren davon. Sie schwiegen eisern – und verrieten nichts. So entgingen Sie den königlich-bayerischen Strafgericht. Exakt hundert Jahre nach der Tat wurde am 11. November 1933 ein Marterl am Ort von Mayrs Martyrium aufgestellt. Das Holz ist zwar schon etwas verwittert und angegraut, aber es erinnert bis heute getreulich an die „Jägerschlacht im Grund“. Ein stiller, idyllischer Ort an einem munter sprudelnden Bach in einer Talsenke. Wie geschaffen, um einen Moment inne zu halten – und dieser kleinen Wildwest-Episode im Tal der Mangfall zu gedenken.

Dinesh Bauer

Hat euch die Geschichte gefallen? Wollt ihr mehr von mir lesen? Meine Bayern-Krimis findet ihr hier. Eine Leseprobe gibt’s selbstverständlich gratis.

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Einen Abstecher lohnt auf jeden Fall die einstige Wohnstatt des „wuiden Jagers“. Das 1797 errichtete Jägerhaus in Gmund beherbergt ein nettes kleines Heimatmuseum inklusive Jägerstube samt einiger Erinnerungsstücke an den ruchlosen Revierjäger Mayr und die Schlacht im Grund.

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Seestraße 2, 83703 Gmund,

http://jagerhaus-gmund.byseum.de

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