Die Schwarze Jagd – mein neuer Bayern-Krimi

Ein klarer Fall für Schorsch Wammetsberger

Meine Bayern-Krimis sind erfrischend anders. Kein Aufguss von Eberhofer, Kluftinger & Co. Dafür sorgt schon der „leicht übergewichtige Held“ der Geschichte. Dorf-Gendarm Schorsch Wammetsberger ist ein Mann für alle Fälle. Am liebsten hätte Schorsch seine Ruhe, sein Bier und seine Elfriede. Bei den „Grünen“ ist er nur gelandet, weil er dort A) als Beamter auf Lebenszeit unkündbar ist, B) in der Polizeiinspektion Bad Brennbruck das Sagen hat und C) zu den allseits geschätzten Dorf-Honoratioren zählt. Zu Wammetsbergers Unmut kommt ihm jedoch regelmäßig der Boandlkramer in die Quere. Eine Leiche beim Schafkopfen, eine Leiche beim Wildern. Schorsch bleibt nichts anderes übrig, als die unnatürlichen Todes-Fälle auf seine eigene unorthodoxe Weise zu lösen. Dabei handelt er getreu der Devise: Jeder kann sagen was er denkt – solange er tut, was ich will!

Doch auch die „Nebenrollen“ sind prominent besetzt: Wammetsbergers ewiger „Rivale“ ist der ebenso scharfsinnige wie spitzfindige Kripo-Kommissar Korbinian Eyrainer. Ein „Urban Bayer“ – überlegt, scharfsichtig und grüblerisch. Kurzum, Eyrainer und Wammetsberger sind nicht gerade „Freunde“, ja eher wie Fleischpflanzerl und Foie grasse, wie Pinot Noir und Bräuberger Hell. An Eyrainers Seite sorgt Leo „Hartl“ Harthofer, das „Enfant Terrible“ der Kripo Grenzberg, für Unruhe und Verwirrung, zumal „Hartl“ gern als verdeckter Ermittler im Untergrund arbeitet.

Doch auch Wammetsbergers hat mit seinen „Getreuen“ nicht nur Freude: Xaver Gschwandtner und Ignaz Irgl, ein echtes „B-Team“ – B wie Bier, Brotzeit und Brennsuppe. Dank ihrem Hang zu hochprozentigen Eingebungen und eigenmächtigen Aktionen, sind die beiden „Alm-Anarchos“ immer für eine „Überraschung“ gut – und rauben Schorsch den letzten Nerv. Andere illustre Figuren bereichern die Geschichte: „Stocki“ Stockinger, die ebenso modisch bewusste wie esoterisch versierte Team-Assistentin Eyrainers oder der starrköpfige Malz-Marxist „Che“ Wildbichler, der zwischen Untergrund und Unterholz seine Pirouetten dreht.

Die mörderischen Geschichten selbst sind verwickelt, verwirrend vielschichtig – und nie vorhersehbar. Spaß und Spannung bilden die zentrale Achse – doch es gibt auch stets eine historische und politische Ebene, die das Geschehen und die Geschichte vorantreibt. Schwarzhumorige Abenteuergeschichten in der altehrwürdigen Tradition der großen Krimi-Erzähler.

Dinesh Bauer

Interview mit dem Magazin HaymonKrimi:

Was macht für dich den Reiz deiner Geschichten aus?

Dinesh Bauer: Die Stories spielen im bayrischen Oberland, dem urbayrischen Landstrich nördlich der Alpen. Zum Teil aber auch drüben in Tirol. Bayern und Tiroler verbindet ja seit Jahrhunderten eine innige „Hassliebe“. Das Setting spricht jeden an, der Bayern und die Berge liebt. Im O-Ton spricht man bayrisch – und die Protagonisten sind felsenfest mit ihrer „Hoamad“ verankert. Meine Bücher unterscheiden sich durch ihre Authentizität und Originalität von anderen Krimis des Genres „Alpen-Krimi“. Knorrige, kauzige Charaktere wie Dorf-Bulle Schorsch Wammetsberger, sein schießwütiger Spez’l Ignaz Irgl oder der Lederhosen-Lenin „Che“ Wildbichler sind auch „in natura“ an den Stammtischen zu finden. Dementsprechend herzhaft und handfest entwickeln sich die Dialoge. Die Geschichten sind schräg, schroff und abgründig – die Sprache am Punkt pointiert.

Die Regiokrimis zwischen Sylt und Salurn haben ja Hochkonjunktur. Was hat dich zum Schreiben bewegt?

Dinesh Bauer: Ich hab ja schon vor 15 Jahren angefangen mich mit diesem Genre zu beschäftigen – da war da noch so gut wie nix am Markt. 2010 ist mein erster „Heimatkrimi“ im Selbstverlag erschienen. Die Wammetsberger-Reihe geht ein wenig andere Wege, als die meisten anderen Krimis. Es gibt zwei klar definierte Handlungsstränge – und jeder Mordfall hat einen aktuellen Aufhänger – also Themen wie Filz in der Lokalpolitik, Terrorismus-Hysterie oder die Flüchtlingsproblematik. Diese komplexen und zweifelsohne bedeutsamen Themen nehmen meine Protagonisten jedoch bewusst auf die „leichte Schulter“. Für mich steht das sinnbildlich dafür nie den Humor zu verlieren – sonst ist man verloren.

Wie wichtig ist Bayern, ist die bayrische Lebensart für dich?

Dinesh Bauer: Ich bin bekennender Bayer – und schau den Leuten beim Stammtisch und auf der Straße genau aufs Maul: den „Bauernfünfern“, den halbseidenen Haderlumpen und Odel-Outlaws. Deswegen komme ich ohne die Klischees aus, die andere Autoren dieses Genres gerne bedienen. In der eigenen Familie und im Freundeskreis finde ich genügend „Modelliermasse“, um daraus stimmige Charakterköpfe zu formen. Dazu kommen die mit viel Liebe und „von Hand“ kolorierten Schauplätze: schroffe Berge, dichte Wälder, windschiefe Wegkreuze, urige Wirtsstuben. Immer irgendwo zwischen Idyll und gähnendem Abgrund. Kulturelle Besonderheiten und regionale Bezüge gibt es zum “Sau füttern“ – und zwar sowohl in der Sprache, als auch in Bezug auf die Traditionen und die Lokalgeschichte. Das ist mir sehr wichtig.

Egal ob der Kommissar Kluftinger oder Eberhofer heißt. Regional-Krimis haben immer Seriencharakter. Wie sieht es bei dir aus. Können wir noch mehr Untaten vom Bavarian Dream-Team Eyrainer und Wammetsberger erwarten?

Dinesh Bauer: Sowieso. Die Schorsch Wammetsberger-Krimis sind als Serie konzipiert, wie Hubert & Staller oder München 7 wenn du so willst. Da ich vom Fernsehen, vom bewegten Bild komme, sind die einzelnen Kapitel immer sehr szenisch gebaut – und eine kleine Geschichte in sich. Die einzelnen Episoden, respektive Fälle sind jedoch vollkommen unabhängig voneinander und durch die gleichen Schauplätze und natürlich durch dieselben Protagonisten locker miteinander verwoben. Am 26. September erscheint mein erster Krimi „Die Schwarze Jagd“ als gebundenes Buch bei euch. Da freue ich mich schon riesig drauf. Der nächste Fall für Schorsch steht aber schon in den Startlöchern – und „Solo für Schorsch“ wird natürlich wieder ein Hammer. Zumal es nicht nur um das Kult-Kartenspiel „Schafkopf“ geht, sondern auch die Freiheits-Ikone Andreas Hofer in einer Nebenrolle glänzt. Freut euch drauf!

 

Die Schwarze Jagd, Haymon Verlag 2017, gebundene Ausgabe, 304 Seiten, ISBN-13: 978-3709934043. Preis: 17,90 €, auch als eBook erhältlich

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Der schwarze Tod und die Toten

Photo0818Pandemien verbreiten von jeher Angst und Schrecken unter den Menschen. AIDS, Ebola, die spanische Grippe – Namen die für namenlose Furcht und massenhaftes Sterben stehen. Wir leben – so scheint’s – in einer hochtechnisierten, aseptischen, sterilen Welt – doch das drohende Verhängnis lauert immer und überall. Winzige, mikroskopisch kleine Lebewesen, tödlich wie der Biss der schwarzen Mamba. Viren, Bakterien, multiresistente Keime – bei diesen Un-Wörtern befällt uns ein unerklärliches Unbehagen, eine atavistische Angst vor Siechtum und jähem Tod. Bis auf den heutigen Tag „hassen wir etwas wie die Pest“, wünschen unseren Feinden „die Pest an den Hals“ oder müssen angesichts zweier Kandidaten wie Trump und Clinton „zwischen Pest und Cholera“ wählen.

Photo0868Für die Menschen des Mittelalters war der Tod dagegen einfach nur eines: allgegenwärtig und unerklärlich. Epidemien galten als eine Strafe Gottes. Gott strafte seine unbotmäßigen, frevlerischen Geschöpfe – und bediente sich hierfür der „Gottesgeißel“. Ein Instrument, um die verderbten, sündhaften Menschen zu zügeln. Die ultimative Heimsuchung, der Inbegriff des Sterbens und göttlichen Zorns war die Pest. Keine andere Seuche hat mehr Menschen dahingerafft, keine andere mehr Unheil gesät. Ein Vorgeschmack auf das „Jüngste Gericht“.

Photo0878Gottes Henkersknecht auf Erden war Gevatter Tod. Der „Knochenmann“ hielt reiche Ernte und mähte die Menschen – ungeachtet ihres Stands und ihrer weltlichen Besitztümer – nieder. Wie der Bauersmann im Weizenfeld schwang der „große Schnitter“ die Sense. Er führte eine scharfe Klinge – kein „Sünder“ entkam dem schwarzen Tod. Die Menschen starben wie die Fliegen. In ihren Häusern, auf der Straße, in Siechenhäusern und Spitälern. Und die Leichen der Gestorbenen verpesteten die Luft mit ihren wahrhaft pestilenzialischen Gestank. Ein wahrer Teufelskreis. Ein Alptraum ohne Erwachen. Die Wucht dieses von Gott befohlenen Genozids war so ungeheuerlich, die Erfahrung der Verlassenheit so allumfassend,
dass sich die Spuren des Schwarzen Todes tief ins kollektive Gedächtnis gebrannt haben. Flurnamen bewahren die Erinnerung an ehedem vor den Stadttoren angelegten „Pestackern“, der Bau zahlloser Wallfahrtskirchen gehen ebenso wie die
Passionsspiele auf die Buß- und Bittrituale, auf fromme Stiftungen und Pestgelübde dieser Zeit zurück.

Photo0869Nach Bayern kam die „große Pest“ in den Jahren 1633 und 1634 – also mitten im Dreißigjährigen Krieg. Sie entvölkerte ganze Landstriche – und machte vor niemanden Halt. Im sogenannten „Pfaffenwinkel“ wurden manche Ortschaften komplett ausradiert. In Wildsteig starben 160, in Böbing 154 und in Oberammergau über 80 Einwohner. Im benachbarten Kohlgrub machte der schwarze Tod förmlich tabula rasa. So heißt es in der Oberammergauer Dorfchronik: „Anno 1633 hat die Pest aller Ort eingerissen, daß man vermeint hat, die Leute gehen alle darauf. Dann in der Pfarr Kollgrub sind die Leuthe dermassen ausgestorben, daß nur 2 Paar Ehefolk anzutreffen gewesen, eines theils aus einen Hauß ist der Mann oder daß Weib gestorben, oder etliche Häußer gar ausgestorben, auch in Eschenlocher Pfarr, in denn Oberland sind erschröckhlich viele Leuthe gestorben.“

Photo0874Im Dorf Böbing, das damals zur Hofmark Rottenbuch und dem dortigen Augustiner-Chorherrenstift gehörte, findet sich auf einer Anhöhe südwestlich des Dorfs – dem sogenannten Rochusbichl – noch heute ein ummauerter Pestfriedhof mit einem Bildstock und Gedenkkreuzen. Der Legende nach pilgerte der Minoritenmönch Rochus von Montpellier 1317 nach Rom. Unterwegs pflegte er Pestkranke und heilte sie auf wundersame Weise durch das Kreuzzeichen. Seitdem gilt der nichtkanonisierte Volksheilige als Schutzpatron der Seuchenkranken. Und wacht getreulich über die Böbinger Opfer der großen Pest.

Dinesh Bauer, Juni 2017

Geschichten rund ums Bier – Geschichten aus Schwandorf

In Vino veritas, in cervisia felicitas! Das wussten schon die alten Römer. Und mit den Römern beginnt bekanntlich jede gute, geschichtsträchtige Geschichte. Als die Römer gingen, kamen die Bayern, respektive die Bajuwaren und machten aus ihrer neuen Heimat ein hopfenhaltiges Gebiet. Ihr Bier haben die Bayern wohl schon immer geliebt und in „Maßen“ genossen – selbst wenn man wie so oft aus „grauer Vorzeit“ nix Genaues weiß. Sicher ist, dass das Gebräu aus Wasser, Gerste und Hopfen aus Bayern genau so wenig wegzudenken ist wie die Lederhose und der Leberkäs. Eine frisch vom Fass gezapfte Maß ist den Bayern jedenfalls lieber als jedes göttliche Manna, das vom Himmel regnet. Und auch das gelobte Land in dem Milch und Honig fließen, reizt einen Bayern wenig, so lang dort kein Gerstensaft im Glas schäumt.

Der Volksstamm der Bajuwaren pflegt also ein besonders inniges, ja intimes Verhältnis zu dem Trunk aus dem die Bierbäuche sind. Diese Enge, quasi „bierlaterale“ Beziehung der Bayern zu ihrem Volksgetränk spiegelt sich in Prosa wie Poesie wieder, die wiederum im „Oans, zwoa, gsuffa“, dem Hofbräuhaus-Klassiker gipfeln. Das „Ozapft Is“ klingt dem „gestandenen Bayern“ wie eine Verheißung in den Ohren, ist das Bier doch ein lebensnotwendiges Grundnahrungsmittel – ohne dem den wahren Leben die existenzielle Grundlage entzogen würde.

Der Hopfentrunk ist also ein ganz „besonderen Saft“, wie ein jeder Malz-Mephisto weiß. Das Bayerische Reinheitsgebot von anno 1516 dementsprechend ein „faustischer Pakt“, der die Reinheit des Biers über alle Zweifel erhebt. Oder etwa doch nicht? In den guten alten, mittelalterlichen Zeiten galt bayrisches Bier als „übles Gebräu“, in dem die sonderbarsten „Zusatzstoffe“ Eingang fanden, so dass bei manchem schauerlichen Gesöff wahrlich „Hopfen und Malz verloren“ waren.

Und heute? Hopfen und Malz – Gott erhalt’s? Der Gerstensaft, der alles schafft? Von wegen – mein lieber Schwan! Der Schwandorfer Stadtbibliothekar Alfred Wolfsteiner hat anlässlich des 500sten Jubiläums des hochgefeierten Reinheitsgebots mit akribischer Sammelleidenschaft Material für seine „Schwandorfer Biergeschichten“ zusammengetragen – aus dieser „Sammelwut“ ist ein Buch entstanden, dass am Beispiel der Oberpfälzer Kreisstadt Schwandorf aufzeigt, warum Bier in unsern „bayrischen Gauen“ weit mehr ist als die Summe seiner Teile. Bier ist und bleibt ein „Mythos“ – und ein weiß-blauer dazu.

Wolfsteiner beginnt die Geschichte vom Schwandorfer Bier in chronologischer Ordnung zu erzählen. Er schreibt von der Einführung einer Biersteuer im Jahr 1459, mit der die Stadt Schwandorf öffentliche Baumaßnahmen finanzierte. Von einem der wohl ältesten Heferezepte Bayerns, das aus Schwandorf stammt. Die Hefeproduktion war ein Meilenstein für die Qualität der Bierproduktion, zuvor waren die Brauer auf Spontangärungen angewiesen.

Wolfsteiner schreibt von einem Zollstreit der Schwandorfer mit den Burglengenfeldern: Im 16. Jahrhundert wollten Letztere die Schwandorfer zwingen, ihre Biertransporte in Richtung Regensburg durch Burglengenfeld fahren zu lassen, um dort Maut zu kassieren. Eine Episode, die zeigt: Beim Malz ging es auch immer um die Moneten. Und das nicht nur seit dem Dauerstreit um die ins uferlose gekletterten Preise für die Maß Wies‘n-Bier.

In seinem „Biergeschichten“ scheut Wolfsteiner auch vor keiner „Vivisektion“ jener „Heiligen Kuh“ zurück. Dass der bayerische Gerstensaft – in dem nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe sein dürften – so rein war, hält er für eine gern kolportierte Mär: „Saltz / Crametbeer/ und ein wenig Kümel“, so steht es in der für Schwandorf gültigen Landespolizeiordnung von 1616. 100 Jahre nach dem Erlass des „Reinheitsgebots“ war es mit diesem also nicht sonderlich weit her.

 

Alfred Wolfsteiner, der seit 1982 die Schwandorfer Stadtbibliothek leitet und über 100 Aufsätze, Bücher, Artikel über die Geschichte seiner Heimat geschrieben hat, bezieht sich auf die von ihm studierten Quellen. So belegen die „Biergeschichten“ an Hand historischer Texte und Bildzeugnissen, wie der Gerstensaft über Jahrhunderte das Leben der Menschen beeinflusst, ja bestimmt hat. In Schwandorf prägte das Bier – nachdem der Wein im Laufe des 17. Jahrhunderts an Bedeutung verlor, da er schlicht zu teuer geworden war – das Leben der kleinen Menschen, aber auch der „großen Hansen“. In der Schwandorfer Ehehaftordnung von 1722 ist nachzulesen, dass es verboten war, das Cufet – eine Art Dünnbier – weiter zu strecken oder vor hohen kirchlichen Festen nach 20 Uhr zu zechen. Und in dem Regelwerk wird vorgeschrieben, in Wirtshäusern bei trinkseligen Hochzeiten alle Ecken so auszuleuchten, dass sich die Hochzeitsgäste nicht befleißigt fühlen sollten, im Dunklen zu poussieren. Die Unzucht lauerte halt immer und überall. Und die Moral war lax.

Bier galt allzeit auch als Medizin: der in Schwandorf geborene Benediktinerpater Odilo Schreger, ein Bestsellerautor des ausgehenden 18. Jahrhunderts, empfiehlt in seinem „Nutzlichen Zeitvertreiber“, mit warmem Bier das „Angesicht“ zu waschen – das mache „weiche, zarte Haut“. Als Haarspülung vertreibe warmes Bier die Milben, eine Bier-Fußmassage helfe Kindern, den Husten loszuwerden. Allen heilsamen Bier-Anwendungen hob der gestrenge Gottesmann auch den mahnenden Zeigefinger, um vor den Folgen der Trunksucht zu mahnen. So schreibt er, ganz Abstinenzler und überzeugter Gesundheitsapostel: „Wo findet der Teutsche den Tod? Im Trinck-Glaß“. Na wo sonst? Schreger würde sich wundern, wenn er am Ballermann oder auf einer Party-Meile wiedergeboren würde.

 

 

Ungeachtet der treuherzigen Ermahnungen des Paters boomte der Bierkonsum – gerade in einem Verkehrsknotenpunkt wie Schwandorf. 1840 beschäftigte die Stadt zwei Braumeister, Bürger duften gegen die Zahlung von „Mulzzins“ und „Kesselgeld“ in den städtischen Braukesseln selbst Bier brauen und es dann in sogennnaten Zoigelwirtschaften – so etwas wie Heurigenlokale – verchecken. Später verkaufte die Stadt ihre Braustätten, der „Neoliberalismus“ der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts förderte das freie Unternehmertum – und es wurden innerhalb weniger Jahre gleich drei Privatbrauereien gegründet. Wie vielerorts im Oberland – ob in Tölz, Miesbach oder Wolfratshausen – begann auch in der Oberpfalz eine Blütezeit des Brauwesens: Wolfsteiner erzählt die Geschichten der Weißbierbrauerei Mehrl, der Schlossbrauerei Fronberg, des Schmidt-Bräus, der Brauereien Hubmann und Plank – die im Laufe des letzten Jahrhunderts ihren Zenit überschritten und nach und nach von der Bier-Bildfläche verschwanden. Und mit ihnen viele Wirtshäuser, Bierschenken und Biergärten. Damals war die Hochzeit der Stammtische, der Bockbierfeste, der Faschingsbälle und Tanzbelustigungen samt einer „Maskierten Knödelpartie“. Im Wirtshaus wurde gewürfelt und vor allem Karten gespielt, gewattet und geschafkopft. Es wurde gehandelt und Händel gesucht. Dies zeigt die Groteske einer Gerichtsverhandlung wegen „Hinlassen eines Furzes in beleidigender Absicht“. Wolfsteiner schlägt aber auch ein düsteres Kapitel der Biergeschichte auf – die NS-Zeit war eine „unbayrische Zeit“. So werden auch die Auseinandersetzungen des unbotmäßigen Gastwirts Michael Baier mit der NS-Obrigkeit thematisiert.

Ein kleines, liebenswertes Buch, das die Lektüre lohnt – und Lust auf ein süffiges Bier macht.

 

Dinesh Bauer

Und wo gibt’s die Biergeschichten? Am besten direkt bei der Stadtbibliothek Schwandorf bestellen. Telefon: 09431 – 71 544. Mail: stadtbibliothek@schwandorf.de

 

Das Wasserschloss

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Nein, es ist weder die Rede von Kafkas „Schloss“ noch vom Schloss am Wörthersee. Mein Schloss steht im Mangfalltal zwischen Weyarn und Valley. Ein Waldschlösschen fern ab des Touristen-Trubels jedoch weder von Blaublütlern oder Strauchrittern noch von Hexen, Gespenstern und Geistern bewohnt. Kein Spukschloss und auch keines in dem Märchen wahr werden. Der Kini war hier nie. Und doch trägt es die drei heraldischen bayerischen Farben: Blau, Weiß und Blau. Ist es doch von Form und Farbe des Wassers. Wie ein Wasserschloss? Eines ohne Gräben, Wällen, Fortifikationen und  Zugbrücken obendrein. Sondern an einem Hang, ja an einem steilen, dicht bewaldeten Abhang gelegen? Und mit Zinnen von Zuckerbäckerhand bekrönt? Ja, es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut – und ist nicht mehr als burgensinnige Fassade. Dahinter versteckt sich der Eingang zum Verteilungsschacht Maxlmühle.

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Wasser für Canitoga, Wasser für die Elefanten? Ein Schlösschen, dass dafür sorgt, dass die Landeshauptstadt ihr blaues Gold bekommt und die goldenen Hähne nicht nur tröpfeln, sondern sprudeln. Ein Schloss, dass keinen degenerierten Adeligen beherbergt, keinen Potentaten und Majestäten zu Diensten ist – sondern allen dient. Das Wasserschloss von Valley hat unter den Burgen und Schlössern Bayerns einen Ehrenplatz verdient. Ich jedenfalls erweise ihm meine untertänigste Referenz. Denn was wären wir ohne Wasser. Binnen kurzen verdurstet – tot und leblos wie der Sand der Wüste.

Dinesh Bauer

Mehr von mir? Meine Schorsch Wammetsberger-Krimis laden euch zum schmökern – ein Blick ins Buch kost nix. Schaut rein! Ihr findet mich im Buchhandel und in den Online-Shops von Amazon bis Thalia.

http://www.thalia.de/shop/home/mehr-von-suche/ANY/sa/dinesh_bauer.html?mehrVon=Dinesh+Bauer

Video

Schorsch – in action & in Farbe

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Schorsch & Xarre „in action“ und in Farbe. Die beiden tatkräftigen Bullen von Bad Brennbruck zeigen sich in meinem Buch-Trailer von der Schokoladenseite.

https://www.youtube.com/edit?video_id=0W_so0Yf97U

Darsteller: Dinesh Bauer und Werner Gerl, Kamera und Schnitt: Robert Porschen

Alpen-Krimi „Toter Winkel“, Aufbau Verlag 2015, im Buchhandel oder in den Book-Shops online zu bestellen: http://www.thalia.de/shop/home/suchartikel/toter_winkel/dinesh_bauer/EAN9783746631844/

Bayerisches Roulette

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BayerischesRoulette-UmschlagMord dahoam! Schorsch schlägt wieder zu – die zweite Geschichte rund um den bayrischen Dorf-Bullen erscheint im Februar 2017. Doch ihr könnt jetzt schon vorbestellen – und euch auf einen Härte-Fall für Schorsch Wammetsberger freuen. Da Schorsch hat wieder alle Hände voll zu tun, um einen mysteriösen Mord aufzuklären – und gerät dabei auf Abwege.

Anti-Terror-Übung im Grenzgau. Doch Schorsch und sein A-Team kommen nicht vom Fleck – sein Wagen streikt. Ganz in der Nähe aber schlägt tatsächlich ein Terrorkommando zu. Sein Ziel: die neue Stromleitung durchs Mölztal. Und dann findet Wammetsberger auch noch eine schlampig entsorgte Leiche. Kopfschuss aus nächster Nähe. Den Toten erkennt er trotzdem: ein zwielichtiges Mitglied ihrer Wilderer-Bruderschaft. Die Statuten der Bruderschaft sind in einem solchen Fall eindeutig. Der Tod eines Bruders muss gerächt werden. Also beschließt Wammetsberger, den Mord auf eigene Faust aufzuklären. Eine harte Nuss – aber Schorsch wäre nicht Schorsch – wenn er die nicht knacken würde.

Euer „Schreiberling“ Dinesh Bauer

https://www.amazon.de/Bayerisches-Roulette-Alpen-Krimi-Dinesh-Bauer/dp/3746632579/

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Goldwasser – Che ist wieder da!

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It’s time for another revolution! Und wo? In Bayern – wo sonst. Che ist wieder da – und zwar mitten in den bayerischen Bergen.  Unverdrossen grüßt der die Volksgenossen und kämpft für die Weltrevolution. Die ihren Anfang in Bayern, genauer gesagt an den Lehards-Quellen nimmt. Dort wo Ches Mentor, der Pfarrer von Sankt Leonhard  die weiß-blauen Fahnen hoch hält.

Was bietet Goldwasser dem Leser – dreimal Vogel-V  –  Verbrechen, Verschwörung und Venceremos. Ein Terror-Kommando stürmt die dem heiligen Leonhard geweihte Kirche und sticht den Pfarrer mitten in der Messe nieder. Wer  begeht eine solch blasphemische Bluttat? Salafisten, Spartakisten, Satanisten?  Pater Cölestin, der „Weiße vom Berg“ ist entsetzt. In seinem Kampf um das wahre Christentum hat er sich mächtige Feinde gemacht. Stecken die Amigos, die Spekulanten hinter dem Anschlag? Oder geht es um religiöse Motive?

Kommissar Eyrainer von der Kripo Grenzberg ermittelt in dem mysteriösen Fall. Unterstützt wird er von seinen Schafkopf-Spezl’n, den „Vier Obern“. Die Jungs in der Bayern-Band spielen in folgender Besetzung: Bauern-Banker „Al“ Aufhammer, Verschwörungsspezialist „Bru“ Brenner sowie Chefreporter Anian Gruber. Da ist das Chaos vorprogrammiert.

schuetzenWas passiert da noch? Drei V’s, die Zweite  – Verrat, Vaterland und Vendetta. Bei einem Besuch der Lenhards-Quellen bekommt der bayrische Ministerpräsident Zunder.  Ein als Gebirgssschütze getarnter Attentäter nimmt ihn unter Beschuss. Doch die tödliche Kugel rafft den Landrat dahin. Ein Amigo weniger! Die Kacke ist am dampfen – und Kommissar Eyrainer bekommt Stress. Die „Vier Ober“ gehen mit kriminalistischen Scharfsinn und unorthodoxen Methoden ans Werk, um den Fall „Goldwasser“ zu lösen, ehe der nächste Mord geschieht. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit.

20141020_1466Goldwasser – Malz, Marx und das ewige Leben.

Goldwasser – der Bayern-Krimi zur Heilquelle.

Jetzt lesen!

http://www.amazon.de/Goldwasser-Alpenkrimi-Hans-Peter-Dinesh-Bauer-ebook/dp/B01E7VFI40

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Raubritter und Bierpanscher: Die Geisterburg

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P1040783Worte demaskieren: der Wettbewerb ist ruinös, die Laufbahn ruiniert und die Stadt eine einzige rauchende Ruine. Das Wort Ruine hat einen unguten, zerstörerischen Beigeschmack. Und es markiert beileibe nicht nur die Überreste eines zerfallenden Gebäudes, einer  Burg, einer Befestigungsanlage, einer Brücke, einer Fabrik. In dem Begriff Ruine lauern unterschwellig die drei grausigen V-Wörter: Verwüstung, Verderben und Vernichtung. Dennoch ziehen uns die grauen, von dunklen Geheimnissen umwitterten, von Sagen umsponnenen Gemäuer magisch an. Scheinbar aus der modernen Zeit gefallene Orte, die uns mit den Abgründen der menschlichen Natur konfrontieren. Orte deren düstere Aura überdeutlich zu spüren ist. Orte an denen ruhelose Geister hausen, die eine gruselige Geschichte zu erzählen haben. Von einem grauenvollem Fluch verdammt, bei Nacht und Nebel um die trostlosen Mauern zu spuken. Plätze, die nicht zum Picknick laden, die in einem unheimlichen und abweisenden Fluidum fluoreszieren. Allein die Vorstellung in deren dunklen Verliesen und Karzern zu schmachten, jagt uns einen Schauer des Entsetzens über den Rücken.

P1040791Eine dieser finsteren Ruinen erhebt sich trotzig auf einem Bergbuckel hoch über dem Fluss Regen: Burg Stockenfels versteckt sich in einem tiefen, verwunschenen Hexenwald. Beim steilen Aufstieg gerät man also – bildlich gesprochen – vom Regen in die Traufe. Raubritter, Wegelagerer und Mordsgesindel jeglicher Couleur machten im Mittelalter die Umgebung unsicher und verbreiten Angst und Schrecken unter unseren Vorfahren. Die „strategische“ Lage der Burg könnte für räuberische Unternehmungen günstiger kaum sein. Genau unterhalb der Burg knickt der Fluss Regen nach Süden ab – und nach Osten hin hatte der Ausguck freien Blick auf die Nittenauer Senke –  durch diese verlief die alte Herr- und Handelsstraße von Bayern nach Böhmen. Es gab also etwas zu holen, man konnte Weg- und Brückenzoll kassieren oder die Reisenden überfallen und bis auf die Unterhose ausplündern. Erstere Art von „Wegelagerei“ erwies sich über die Jahrhunderte als die profitablere Variante der „Straßenräuberei“. Die Mautstellen an den Autobahnen legen davon bis heute Zeugnis ab.

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Doch kehren wir für einen Moment in die Gegenwart zurück – und schauen uns die Ruine in ihrer jetzigen Gestalt genauer an:  Über die Hauptburg wacht ein mächtiger, klobiger Wohnturm, den Hof im Innern durchziehen Mauerreste, deren einstige Funktion nur noch zu erahnen oder dem Burgführer zu entnehmen ist. Die Außenmauern wirken archaisch, klotzig und zeigen dem Betrachter die kalte Schulter. Das Mauerwerk besteht aus unregelmäßig behauenen Granitblöcken, nur an Hand der Ecken und Kanten lässt sich die Handschrift der Handwerker sehen: sorgfältig behauene  Buckelquader künden von der Steinmetzkunst der Altvorderen. An der Westseite, rund 10 bis 15 Höhenmeter unterhalb des Burg-Plateaus liegt die Vorburg. Ein rechteckiges, reichlich lieblos gemauertes Gemäuer, sollte wohl Ställe, Speicher und Geräteschuppen  vor überfallartigen Attacken unliebsamer Besucher schützen. Der Wohnbau, der Palas, liegt wie meist im sonnigen Süden der Anlage. Keller, überwölbtes Erdgeschoss, schmale Schieß- und Lichtscharten. Im Obergeschoss residierte der Burghauptmann und hatte den größeren Komfort wegen Rundbogenfenster. Die Burgherrin wollte schließlich etwas Licht haben, um die Laute zu schlagen oder die Socken ihres Galans zu stopfen.

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Die Blicke des Betrachters zieht unweigerlich der auf der Nordseite platzierte Wohn- und Wachturm auf sich. Von Norden – der einzigen Schwachstelle und daher der mögliche Angriffspunkt – führt ein enger, ziemlich steiler Pfad zur Burg empor. Der im historischen Burgenjargon Bergfried oder Belfried genannte Turm hat 5 Stockwerke, ist 16 Meter hoch – und seine Mauern sage und schreibe zwei Meter dick. Die unteren Geschosse wurden Anfang des 14. Jahrhunderts hochgezogen und mit Gewölben versehen. Die Obergeschosse stammen aus der Zeit der Spätgotik – und hatten Balkendecken. Die Fenster sind denn auch nach grazilem, gotischem Gusto mit geometrisch verflochtenen Maßwerk-Mustern verziert.

P1040789Als Bauherrn der Burg Stockenfels gelten zwei illustre Mitglieder, der in Bayern herrschenden Dynastie der Wittelsbacher:  Herzog Ludwig der Strenge und sein Sohn Herzog Ludwig IV., der später als Kaiser Ludwig der Bayer europäische Geschichte schrieb.  Der bayrische Kaiser Ludwig stiftete eine eigene Kapelle – und soweit man weiß – ging er in den umliegenden Wäldern mit großem Gefolge und fröhlichem Halali auf die Jagd. Wie so oft durchlebte die Burg Stockenfels danach eine – wie heißt es so schön verharmlosend – wechselhafte Geschichte. Die Burg hatte alle möglichen (und unmöglichen) Herrn, darunter das übelbeleumdete Patriziergeschlecht der Auer. Wüste Gesellen, die der eigenen Heimatstadt Regensburg den Fehdehandschuh hinwarfen. Weitere ebenso rauflustige wie raublustige Burgbesitzer sollten folgen. Da war der Ritter Georg Heuras von Satzdorf: als tapferer Kämpfer gegen die Hussiten – böhmische Banden, die um 1420 bis 1440 immer wieder marodierend und brandschatzend durch die Oberpfalz und den bayrischen Wald zogen – ein echter Held, betätigte sich der „Heuras“ später auch als Bandit. Sein Sohn Heimeram trieb es noch ärger. Er war so etwas wie ein mittelalterlicher „Mafia-Padrone“. Er schickte ein ganzes Rudel von Strauchrittern auf Raubzug – und kassierte selbst einen Teil der Beute ein. Sein „Nachfolger im Amt“ war ein landauf, landab berüchtigter Spitzbube: Hans Thanhauser von Fischbach entdeckte ein neues Geschäftsmodell. Auf seinen Streifzügen nahm er Geiseln, um von ihnen Lösegeld zu erpressen. Einige Wochen im feuchten Kerker genügten meist, dass selbst der geizigste Pfeffersack einen Beutel voll Gulden und Talern für seine Freilassung springen ließ. Der letzte in der Reihe der Tunichtgute und Totschläger war ein gewisser Kunz Schott von Schottenstein. Dieser wilde Geselle wurde ob seiner Untaten im Fränkischen auf dem Richtblock enthauptet – seine Spießgesellen baumelten derweil am Strick. Es war schließlich ein Vorrecht des Adels – mochte er noch so diebisch, raubgierig und mordlustig sein – eines „ehrbaren Todes“ zu sterben. Der letzte ständige Bewohner der Burg war – Ironie der Geschichte – Mitte des 19. Jahrhunderts ein Verrückter, der zwar nicht mehr auf Raubzug ging, die Vorbeikommenden aber mit Steinen bewarf und wüste beschimpfte – er endete übrigens standesgemäß im Irrenhaus.

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Den besonderen Reiz des Raubritternests macht jedoch dessen Ruf als veritables Spukschloss und Geisterbehausung aus. Insbesondere geriet Stockenfels als Verbannungsort für Bierpanscher – in Bayern neben Mord und Brandschatzung einer der schlimmsten Verbrechen – in Verruf. Die Sage weiß zu berichten, dass hier allmitternächtlich um die Geisterstunde all die Brauer, Wirte und Wirtinnen, Kellner und Kellnerinnen ihre Verfehlungen abbüßen müssen. Hatten Sie doch das Bier mit Wasser gestreckt – und so im wahrsten Sinne den Hopfensaft verwässert. Eine Untat, die noch posthum gesühnt werden  muss. Unten im Keller hockt einer der Dämonen und schöpft unaufhörlich Wasser in Eimer. Auf die Missetäter wartet eine typische Sisyphus-Arbeit. Die Verfluchten schleppen die Eimer voller Wasser über steile Treppen und Leitern bis ganz oben. Dort hockt ein gehässig  grinsender, bocksfüßiger Teufel und kippt den Inhalt der Eimer über die Brüstung hinab. Auf Erlösung von ihrem Geisterdasein können die Hopfen-Zombies nur hoffen, wenn sie ihre Schuld Eimer für Eimer abgetragen haben. Es ist evident: beim Bier hört sich in Bayern der Spaß auf.

Dinesh Bauer

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P.S: Burg Stockenfels hat übrigens einen Kastellan, der Burgführungen und Geisterwanderungen organisiert:  Franz Joseph Vohburger, Tel. 09471/5980 oder 0171/9567153, Mail: derkastelan@web.de , Fax: 09471/807028.

Venedigermandl – die Hobbits der Lagune

venedigermandlKennt ihr die Venedigermandl? Nein? Mysteriöse, zwergenhafte Gestalten, die aus dem Nichts auftauchten und ihrem Tagwerk unter Tage nachgingen? Bergleute von gnomenhaften Wuchs und fremdartigen Aussehen. Über Sie berichten zahlreiche Sagen und märchenhafte Geschichten. In ihnen werden die fremdartigen Stollengräber und Schatzsucher als Venediger, Wahlen, Welsche oder Vennizianer bezeichnet. Die im Dienste der Serenissima stehenden Kumpel scheinen erstmals in Quellen des 14. Jahrhunderts auf. Heute gehen die Forscher davon aus, dass die „Mandl“ nach seltenen Mineralien wie Kobalt oder Braunstein gruben, die die venezianischen Glasmanufakturen auf Murano zur Herstellung von Luxusgläsern, insbesondere blau gefärbter Schalen und Pokale, händeringend benötigt wurden.

220px-BarovierVom gemeinen Volk wurden die seltsamen Gesellen jedoch meist für Goldgräber gehalten. Ihre fremd und verlockend klingende Sprache sowie die Aura des  Geheimnisvollen, ließen um die „Berggeister“ eine Fülle von Sagen ranken. In diesen wurden den Wahlen magische Eigenschaften unterstellt. Die Zwerge aus den Bergen galten als zauberkundige und geisterhafte Gestalten, die über ein geheimes, hermetisches Wissen verfügten.

 

CarlSpitzwegGnomEisenbahnbetrachtend

Die Bezeichnung „Walen“ leitet sich von Welschen ab, also Menschen, die eine romanische Sprache sprechen. Der Ausdruck „Venediger“ bezieht sich auf die Lagunenstadt Venedig, ein Zentrum der Gold- und Silberschmiedekunst, der Edelsteinschleifer und Glasbläser. Im süddeutschen Raum werden die kleinwüchsigen Erz-Prospektoren in die Nähe der Bergmännchen und Kobolde gerückt und mit Bezeichnungen wie Venedigermandl oder Mandl etikettiert.

Georgius Agricola erwähnt die venezianischen Goldschürfer in seinem um 1550 erschienen Werk „De re metallica“. Der humanistische Gelehrte hält die „Wahlen“ – wie die meisten Menschen nördlich der Alpen – irrtümlich für Goldsucher. Diesen Trugschluss korrigiert allerdings bereits 1574 Lazarus Ercker, seines Zeichens Oberbergmeister des Königreichs Böhmen, in seinem Kommentar zu Agricolas Konvolut: „So viel hab ich aber von glaubwirdigen Personen, die von solchen Landfahrern berichtet worden, daß solche Körner gar kein Gold bey sich haben, werd auch keinß darauß gemacht, sondern durch sie, die Landfahrer, in Italien und anderen Orten umb einen Lohn hingetragen, als zu einem Zusatz, darauß schöne Farben oder Schmeltz-Glaß gemacht werden. Welche Farben und Schmeltz-Glas man bey jhnen so hoch achte, und so Tewer verkauffe, als wenn es Gold wäre.“ Statt Gold ging es also um seltenes Erz.

DownloadDie Erinnerung an die Walen blieb in der Bevölkerung der Alpenregionen über Jahrhunderte lebendig.  Die Autoren sahen in den „landläufigen Savoyarden“ bis ins 19. Jahrhundert hinein ausländische Hausierer, die in Wahrheit nach Erzadern, nach Edelsteinen und Mineralien Ausschau hielten. Es gibt Hinweise, dass italienische Glücksritter noch bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts die Alpen überquert haben, ehe der kommerzielle Bergbau den „Venedigern“ die Existenzgrundlage entzog.

Dinesh Bauer

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Sagenhafte Sachen:

In Unterammergau kennen heute noch einige alte Leute die Sage um das Venedigermandl. Ein Zwerg, welcher jedes Frühjahr in den Bergen, speziell dem Hörnle, nach Gold suchte. Zwerge sind ja dafür bekannt dass sie die Hüter verborgener Schätze sind. Auf jeden Fall wollte das Venedigermandl bei seinem letzten Besuch den Bauersleuten, die ihm Unterkunft gewährt hatten, den Fundort des Goldes zeigen. Doch die biederen, abergläubischen Bauern trauten dem unheimlichen Männlein mit welchem Zungenschlag und Zauselbart nicht recht über den Weg – und so zog der Zwerg achselzuckend seines Wegs. Und ward von da an nie mehr im oberen Tal der Ammer gesehen.

220px-Venezia_Canals_by_Horst_Michael_LechnerDie landfremden Venediger treten in den Sagen meist als Einzelgänger auf, aber auch in kleinen Gruppen, oft zu dritt, die bei Einheimischen um Quartier bitten oder ihnen zufällig in den Bergen begegnen. Sie tauchen überraschend auf und verschwinden auch schnell wieder, kommen dann aber oft viele Jahre hintereinander zurück. Auch ihr Äußeres wirkt fremdartig: sie werden als klein und dunkelhaarig geschildert. Sie werden als kenntnisreich, freundlich und dankbar geschildert, aber auch als verschwiegen und geheimniskrämerisch.  In den Sagen spiegelt sich die Bewunderung für ihre bergmännischen Fähigkeiten. Denn ihr „Finderglück“ verdanken die Venediger ihren überragenden Kenntnissen in der Bergbaukunst. Manchmal werden ihnen magische Fähigkeiten zugeschrieben: so können Sie sich unsichtbar machen, wenn sie bei ihrem unterweltlichen Treiben behelligt werden. Ja Sie können sich mit Hilfe von „Flugtüchern“ in die Lüfte erheben. Ihre Fähigkeit durchs Gestein ins Innere des Bergs zu blicken, verdanken Sie dem Verzehr des Fleisches einer weißen Schlange, dem „Otterkönig“.

Schauen wir uns zwei dieser sagenhaften Geschichten genauer an:

Das Venedigermandl

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So lange ist es noch nicht her. Der Großvater meines Großvaters ist ihm noch begegnet. Alle Sommer kam ein „wallisches Lötterle“, quartierte sich auf der Mellitz ein und suchte ungesehen in der Firschnitz und im Ledraun nach Gold. Dazu hatte es einen geheimnisvollen Spiegel im Rucksack, der ihm mit Hilfe der Sonnenstrahlen die Goldminen anzeigte. Beim ersten Absuchen der Virger Berge soll das Mandl laut vor sich hingesungen haben: „Du reicher Berg, du armes Tal, zu wenig Futter überall. Aber zwischen Wun und Ochsenbug, Gibt’s Gold und Silber viel genug.“ So recht glauben wollte dem Mandl niemand. Als Jäger und Hirten dem Goldsucher, der meist kurz nach Mitternacht sein Lager verließ, nachschlichen, verloren sie allemal seine Spur. Auch den großen Rucksack, mit dem das Venedigermandl allsommerlich Virgen verließ, hielt er immer in einem Versteck. Steinesucher, die zwischen Wun und Ochsenbug selbst heimlich nach Gold suchten, brachten nur Kristalle und „Katzengold“ heim. Gold haben sie keines gefunden und Virgen blieb ein armes Tal.

Venedigermandl II

ProtestgnomeSo trug es sich zu, dass alljährlich um die Zeit der Heumahd ein solches Männlein in der Schusteralm in Raneburg Rast hielt und Imbiss nahm. Das Männlein trug eine kleine Waage und ein leeres Säckchen über der Schulter. Die neugierigen Leute vertröstete er: „Auf dem Rückwege werde ich´s euch sagen“. Der Zwerg blieb auch nie länger als zwei Stunden aus, dann legte er jedes Mal ein Goldstücklein in die Hand der Sennerin oder des Hirten, dabei schwieg er wie ein Grab. So ging es 10 Jahre. Sennin und Senner waren inzwischen alt aber beinahe reich geworden, niemandem erzählten sie etwas. Veit, der Hirte, wollte nun eigenen Grund kaufen und schlug der Sennin vor: „Werd´mein Weib! Wenn Du nit willst, teilen wir das Gold“. Die Sennin entschied sich für Teilung und setzte sich zur Ruhe, den Hirten aber hatte der Geiz gepackt und er trachtete allein nach Reichtum. Er verblieb beim Bauern und als zum neuen Jahr das Männlein wieder kam, schlich er ihm nach dem Essen nach. Sie kamen zum grünen See, in dessen Nähe unter einem Steinblock eine Quelle sprudelte. Hinter einem Felsen beobachtete er, was geschah. Das Männlein tauchte seinen Hut als Schöpfgefäß in das Wasser, ließ es abrinnen und füllte den Bodensatz immer wieder in das Säckchen. Zuletzt hing es die Ausbeute an die Waage, lächelte zufrieden und ging bergab. Der Hirte bekam es mit der Angst zu tun und beschloss erst recht, niemandem dieses seltsame Erlebnis zu erzählen. Bald darauf starb die alte Sennin. Veit nahm seinen Anteil, und im Schein des Mondes schritt er rasch bergauf, er wollte das Gold dem Tümpel zurückgeben, so ungeheuer war ihm alles. Im Widerschein des Wassers lockte das Metall aber so verführerisch, dass er beschloss, es doch zu behalten und fortzuziehen. Die schwere Arbeit am Hof jedenfalls wollte er anderen überlassen. Der Bauer hatte einen anderen Hirten angestellt, und als die Zeit gekommen war, erschien auch das Männlein wieder. Es wurde ihm wie immer Rast und Speise geboten. Danach nahm der Zwerg den Bauer zur Seite: „Willst du ein reicher Mann werden, dann komme und folge mir, ich zeige dir einen Schatz, wovon du einen Tag in diesem Monate einen Teil haben kannst und so jedes wiederkehrende Jahr. Ich bedarf seiner nicht mehr; mit ihm sind Häuser und Paläste in das Meer gebaut worden, die Lagunen-Stadt dankt viel Herrlichkeit dem Schatze auf deiner Alpenflur“. Der Bauer erschrak, er dachte an einen Hexenmeister, der auch das nahende Unwetter hergezaubert hatte und jagte ihn fort: „Geh deinen Weg, mir ist mein Heu lieber als dein Schatz“! Darauf verschwand der Zwerg und ward nie mehr gesehen.

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Inn-tim: Von Flößen und Flüßen

isar_1Mit dem Floß am Fluß – auf Lech, Isar, Inn und Salzach. Die reißenden Gebirgsflüsse des Oberlands bedeuteten für die Isar- oder Innschiffer über Jahrhunderte zu gleich Fluch und Segen. Ein oft kolportierter Spruch der Isarflößer lautete: Mia fahr’n auf Minga mit’m Floß, des geht vui schneller als mim Roß!

innschifffahrtBis in die Zeit der Industrialisierung und den Bau der ersten Eisenbahnen war die Schifffahrt auf den Flüssen das wirtschaftliche Rückgrat des Voralpenlands. Waren aller Art – Holz, Getreide, Baustoffe, Glaswaren, Metalle, Wein, Fleisch, Fett, Wachs, Waffen, Gewürze aus dem Orient und vor allem Salz – wurden auf den unberechenbaren Gebirgsströmen zur Donau und nach Passau hinab transportiert. Aber auch Passagiere – Kaufleute und Soldaten, Fürsten und Handwerker, ja sogar ein Holzschnitzer samt Flügelaltar – reisten auf Inn und Isar. Bis zum Bau der Inntal-Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts war der Inn die Hauptverkehrsader des Bayern-Landes. Ein blaues Band, dass Passau an der Donau mit Hall in Tirol verband. Die Landstraßen waren anno Domini in aller Regel keine Alternative: sie befanden sich in einem miserablen, bemitleidenswerten Zustand und das Fassungsvermögen für Fässer und Fracht aller Art der Lastkähne war um ein vielfaches größer denn die der wackligen Fuhrwerke.

Innschiff2Ein Schiff trug im Mittelalter im Schnitt rund 65, im 18. Jahrhundert bereits um die 125 Tonnen. Flussabwärts legten die Plätten oder Flöße über 40 Kilometer, flussaufwärts – von Pferden gezogen – maximal 15 Kilometer pro Tag zurück. Große, meist in Hall oder Rosenheim gezimmerte Plätten, waren bis zu 35 Meter lang und 11 Meter breit. Allerdings war der Inn aufgrund seines unregelmäßigen Wasserstands nur rund 6 Monate im Jahr befahrbar. Im Winter ruhte der Schiffsverkehr aufgrund des Eisgangs oft für Wochen völlig. Doch auch im Frühling und Sommer war die Fahrt auf dem wilden, ungezähmten Gebirgsfluss nicht ungefährlich: Felsen, Treibholz, Sandbänke und Strudel ließen die Schiffsreise oft zu einem lebensgefährlichen Unterfangen werden. Zumal es ja keine Staustufen gab, die den Fluss regulierten.

innschiff_nussd_stangeDer Beginn der Schifffahrt auf dem Inn liegt im historischen Dunkel. Die Römer nutzten die Wasserader jedoch bereits zum Transport von Truppen und Wirtschaftsgütern. Das goldene Zeitalter der Inn-Schiffer war das 15. und 16. Jahrhundert. Die Arbeit der Schiffsleute war hart und entbehrungsreich. Die „Inn-Matrosen“ waren verwegene, trinkfeste Gesellen – ungestüm und aufbrausend wie der Fluss selbst. An Land waren die „Flussmänner“ aufgrund ihrer rauen Sitten gefürchtet. Schwimmen konnten die Schiffleut indes nicht, sollten Sie doch an Bord bleiben, wenn Schiff und Ladung Gefahr drohte. So verließen bei einer Havarie nur die Ratten das sinkende Flussschiff.

2678Weit verbreitet war auch der Aberglaube, dass alles, was ins Wasser fiel, dem Flussgott anheim fiel. So war es strikt verboten, Ertrinkenden zu helfen. Wollte es man sich doch nicht mit Neptuns Nepoten verderben. Bis ins 19. Jahrhundert saßen in allen Innstädten reiche Schiffsmeistersippen wie die Riedl und Buchauer von Wasserburg oder die Greiderer in Rosenheim.

7444208_web1854 fuhr der erste Raddampfer auf dem Inn. Zwei Tage brauchte der Dampfer den Fluss hinauf nach Rosenheim. Abwärts ging es bedeutend schneller: in neun Stunden waren die Passagiere in Passau. Nach einer kurzen Blütezeit kam jedoch schnell das „Aus“ für die Inn-Dampfschifffahrt. Und der Güter- und Personenverkehr verlagerte sich auf Schiene und Straße.

Dinesh Bauer

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Der Inn – Fakten:
Der Inn entspringt am Maloja-Pass im Oberengadin und mündet bei Passau in die Donau. Von der Quelle bis zur Mündung legt er eine Strecke von 517 Kilometer zurück. 344 Kilometer – bis Hall in Tirol – waren in früheren Zeiten schiffbar. Flöße konnten den Inn bis Telfs, maximal bis Mötz befahren. Von dort wurden die Waren auf Saumwegen in die Schweiz und nach Schwaben gekarrt. Bedeutendster Nebenfluss ist die Salzach. Im Oberlauf ist der Fluss ziemlich schmal, verbreitert sich bis Innsbruck jedoch erheblich. Die Wassertiefe unterliegt starken Schwankungen und hängt von verschiedenen jahreszeitlichen Einflüssen wie Schneeschmelze, starke Herbst- oder Frühjahrsregen ab. Bei Rosenheim beträgt der mittlere Pegelstand in etwa 3,50 Meter, bei Hochwasser bis zu 6 Meter. Im Mittelalter suchte sich der Fluss sein Bett selbst und schlängelte sich in wilden Mäandern durchs Tal. Im 19. Jahrhundert wurde der Inn begradigt und eingedämmt. Die Breite im Mittellauf beträgt in etwa 110 Meter. Durch die Regulierung des Flusses und den Einbau zahlreicher Staustufen zur Stromerzeugung ist die Gefahr von Überschwemmungen heute weitgehend gebannt.

Mehr über den Inn und die historische Innschifffahrt: http://innschifffahrt.antonprock.at/