Mia Zwoa – Boandl & Kramer

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Servus Beinand,

Roland „Kramer“ Schwarz und H.P.D. „Boandl“ Bauer gehören z‘samm wie Sensen und Sichel. Boandl & Kramer – der Name ist Programm! Wir – zwei gstandne Isartaler-Buam – wollen es auf de „oiden Dog“ noch einmal angehen. Wir wollen die Tradition der alten bayerischen Liedermacher und Hoagascht-Musikanten wie den Tegernseer Sängern oder dem Kraud’n Sepp wiederbeleben. Darum übernehmen wir „modernere“ Elemente der Country Music, des Wiener Lieds oder des Austro Pops – und die Texte versehen wir mit einem eigenen, unkonventionellen „Spin“. Die Genre-.Bezeichnung lautet korrekterweise wohl New Bavarian Folk Music – oder auf den Punk gebracht: Garagen- oder Grunge-Gstanz’l. Eben etwas für waschechte Gipfelklatscher.

Nehmen wir zum Beispiel eines unser rund 70 selbst gestrickten Stück’l. Der „Wildschütz von Wall“ kommt im klassischen Kleid des traditionellen Volkslieds her, dass vor 100 oder 150 Jahren ähnlich geklungen haben mag. Der Text folgt weitgehend dem gattungstypischen Duktus, bis die Pointe einen „aus der Art geschlagenen“ Akzent setzt. Outet sich der stramme Wildschütz doch als „Regenbogen-Jünger“, der seinem Waidgenossen dem Franz’l, aber auch dessen Gespielin der Marei zugetan ist. „I mag mein Franz’l – und sei Schicks…“ Es wäre eine Freude, wenn wir bei Gelegenheit für euch aufspuin‘ dürfen.

Herzlich grüßen, Boandl & Kramer, lasst’s a’s renga…

https://www.youtube.com/watch?v=GoodVtHJLzs

Boandl & Kramer beim BR

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Boandl & Kramer, das passt wia de Maß auf’n Bierdeckel. „Boandl“ Bauer und „Kramer“ Schwarz kennen sich seit mittlerweile 50 Jahren – und stammen beide aus der Flößerstadt Wolfratshausen. Die Musik und die Texte sind handgemacht, urwüchsig, echte Originale. Manchmal übermütig, manchmal feinsinnig, manchmal schwarzhumorig, aber immer „grad heraus“ – boarisch, sakrisch, guad. Vor drei Monaten haben wir eine eigne Seite beim Bayerischen Rundfunk eingerichtet – auf der Volksmusikplattform von BR Heimat. Da stellen wir unsere neuesten „Kreationen“ vor!

Wir sehen uns selbst als „Garagen-Gstanzler“, die in der Tradition ungeschliffener bayerischer Liedermacher wie dem Kraud’n Sepp vo Gaißach einfach drauf los musizieren – aus purer Freud im „Folterkeller“ oder idealerweise beim Hoagart, beim Musikantentreffen, im Herrgottswinkel in der Wirtsstuben. Es heißt schließlich bei uns nicht umsonst „Stubenmusi“!

In der „staaden“ Corona-Zeit haben wir intensiv zusammen gsunga und Stückl’n komponiert – über 70 Liader san so im letzten Jahr entstanden. Darunter echte, ungeschliffene Perlen. Beispielsweis über an Kart’ler dem Fortuna nicht Hold ist – und deswegen am End mit LEERE HÄND dasteht! Hört’s amoi nei, habt’s a Freid! Euer Boandl & Euer Kramer

https://br-volksmusikplattform.de/boandlkramer

Gedanken zur Zeit – Wechselwirkungen I

Wie wechselwirken die physikalischen Kräfte, um die Sterne entstehen zu lassen? Sie wechselwirken indem Sie die einzelnen Elemente verschmelzen, umformen. In der wilden Welt der Elementarteilchen spiegeln sich die Spielregeln des Universums. Der Bauplan des Kosmos ist Maßarbeit – steckt ein Plan, gar ein Gott dahinter? Was wir über die Unendlichkeit zu glauben wissen, ist wellenförmig, ist Licht, ist nicht. Das Wissen über all die physikalischen Phänomene, sind mit unsichtbarer Tinte auf die schwarze Folie des gekrümmten Raums geschrieben. Wie sollen wir die Zeichen entziffern, da jene heilige Schrift, welche die Kabbalisten für einen Teil der Bibel halten, im Labyrinth der Worte versteckt ist. Im hintersten Winkel einer Bibliothek vergilbt der zweite Band, der Appendix listet die Algorithmen des Alls. Der Bleistift balanciert auf der Spitze – doch die Empirie fragt nicht nach dem Warum, sondern nach dem „Gewusst Wie“! Die Gesetze der Natur erkennen, bedeutet nach der Ur-Formel zu suchen. Indes: die Natur der kleinen Dinge verschließt sich dem forschenden Geist und öffnet sich dem Träumer. Das Mysterium transzendiert die Formen der Materie. Willkommen im Club der Dichter, der Denker – dem Club Cohiba!

De Hemadlenz’n

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Ein jeder echte Bayer – zumindest diejenigen, die wie ich in den 60er Jahren aufgewachsen sind, weiß was ein „Hemadlenz“ ist – eine Person, die nur mit einem Hemd bekleidet, unterwegs ist. Im übertragenen Sinn bezeichnet es einen Halbwüchsigen, egal ob Bub oder Mädchen. In meiner Jugendzeit war es bei uns Brauch nicht etwa einen Pyjama, sondern lediglich ein Nachthemd zu tragen.

Der Name „Lenz“ respektive Lorenz lässt sich vom heiligen Laurentius herleiten, der in der Frühzeit des Christentums in Rom so eine Art Tafel für in Not gerate Mitglieder der Gemeinde organisierte. Unter Kaiser Valerian wurde er der Legende nach am 10. August 258 öffentlich hingerichtet – sprich er wurde gefoltert und wie eine Bratwurst auf einem glühenden Eisenrost gegrillt. Kein angenehmes Ende, doch der Lenz soll dem Kaiser vor dem Tod noch zugerufen haben: „Du armer Mensch, mir ist dieses Feuer eine Kühle, dir aber bringt es ewige Pein.“ Zu Lebzeiten bekleidete Laurentius das Amt eines Diakons, der von Amts wegen eine Dalmatika trug.

Das Outfit erinnerte die Menschen späterer Jahrhunderte an ein Hemd – und so war der Ausdruck „Hemadlenz“ in der Welt. Die Bezeichnung Hemadlenz wurde in ganz Altbayern verwendet. So hieß es bei meiner Oma immer scherzhaft: „Jetzt aber schleunigst ab in die Federn, du kleiner Hemadlenz!“ Bei manchen Faschingsumzügen liefen die Hemadlenzen – ausschließlich Männer – mit. Zu einer besondern Blüte gelangte der Brauch in Dorfen, einer Kleinstadt im Isental.

Bei den Dorfener Maschkera waren die „Hemadlenzen“ – weißes Hemd, weiß gepudertes Gesicht, schwarze Zipfelmütze – eine feste Institution. Gefeiert wurde vor allem am Unsinnigen Donnerstag. Die Hemadlenzen waren schon vormittags auf der Straße – um sich bei den Anwohnern gebührend mit Würstel, Semmeln, Bier und Wein einzudecken. Als besondere Attraktion wurde der Hemadlenz herumgekarrt: eine Strohpuppe in einem Käfig. Zur Krönung des wilden Treibens wird der Puppe einen Strick um den Hals gelegt, dann baumelt sie am Galgen, nur um anschließend verbrannt zu werden. So wird – für alle sichtbar – der Winter ausgetrieben. Beim nachmittäglichen, eigentlichen Faschingsumzug darf sich kein Hemadlenz mehr blicken lassen – denn der Winter ist ja nun – zumindest für dieses Jahr – in Flammen aufgegangen.

Dinesh Bauer

Boandl & Kramer – Buena Vista auf boarisch

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Boandl & Kramer, das ist bayrischer Garagen-Volk mitten aus dem Oberland. Odraht, handgemacht, urwüchsig. Manchmal übermütig, manchmal nachdenklich, manchmal hinterkünftig, aber oiwei „gradraus“. Ohne Schubladen und Schablonen. Die Musiker „Boandl“ Bauer und „Kramer“ Schwarz kommen beide aus dem Isar-Loisachtal, aus Nantwein respektive Waldram – und kennen sich, seit mittlerweile 50 Jahren, sappradi. Die Musik und die Texte sind durch die Bank selbst gedrechselt – Originale, wie die beiden Musiker selbst. Dass es bei Boandl & Kramer recht lustig zugeht, merkt man ihren Schmuck-Stückerl’n an. Ob nun der „letzte Cowboy“ mit den Buffalo-Buam auf Tour geht, sich die „Bichler-Buam“ als Grenzgänger und Gipfelstürmer durch die Steilwände hangeln oder sich der „Wildschütz vo Wall“ auf Knall und Fall zu einer Menage à trois bequemt. Boandl & Kramer – boarisch, sakrisch, guad. Hört’s mei nei!

https://www.youtube.com/watch?v=pPM9N088N58&t=200s

Betrachtungen zum Boandl – ein Psychogramm

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Der Boandl oder der Boandlkramer ist ein allegorischer Begriff, die Personifikation des Todes, der einen tief in die bayerische Seele blicken lässt. Zu den Vorfahren der Bajuwaren zählten die im Oberland und in den Alpenregionen ansässigen keltischen Stämme, die Räter, die Breonen, die Vindeliker mit ihren vier Unterstämmen, den Cosuaneten, Rukinaten, Likatier und Caternaten – archaisch klingende Namen, die ohne die römischen Geschichtsschreiber wie Cassius Dio längst vergessen wären. In dem großen Feldzug des Jahres 15 vor Christus besiegen die römischen Feldherrn Drusus und Tiberius die keltischen Stämme und besetzen das Land bis zur Donau. Die keltischen Einwohner werden in den folgenden Jahrhunderten romanisiert und weitestgehend assimiliert. Mit dem Abzug der römischen Legionen im 5. Jahrhundert entstand im Gebiet zwischen Alpen und Donau ein Machtvakuum. Dieses füllen nach und nach die Baiern, die ab dem 6. Jahrhundert ein eigenes Herzogtum bilden. Woher die Bayern respektive Bajuwaren kommen, ist in Kreisen der Historiker bis heute umstritten. Wahrscheinlich kommen sie – im Gegensatz zu all den anderen germanischen Stämmen – von nirgendwo her.

Die Genese des bayerischen Volks erfolgte wohl eher in einem dynamisch, organischen Prozess. Die hier siedelnden Keltoromanen vermengten sich über einen Zeitraum von 250 Jahren hinweg mit einigen „Zuzüglern“: Slawen aus dem Nordosten, Germanen aus dem Nordwesten, dinarischen Stämmen aus dem Südosten. Aus dieser genetischen Mixtur entwickelte sich nach und nach ein eigener Phänotyp. Von eher stämmiger Statur, mit kantigen, grob gehauenen Gesichtszügen, schwarzer Mähne und eher dunklem Teint. Dazu die typischen Charaktereigenschaften des „Homo Bavaricus“: streitlustig, schlitzohrig, starrköpfig, abergläubisch, fatalistisch, nicht sonderlich sittsam und zur Trunksucht neigend. Ein Charakterbild das noch Anfang des 20. Jahrhunderts von aus Norddeutschland stammenden Gelehrten kolportiert wurde. Das „keltische Erbe“, samt seiner Geisterwelt, hat in der bayrischen Seele bis heute sichtbare Spuren hinterlassen. Archetypische (Kult-)Figuren wie der Krampus, die Perchten, der Sparifankerl oder eben der Boandlkramer sind genuin keltischen Ursprungs.

Der „Boandlkramer“ ist eine ureigene, bayrische Wortschöpfung, die sich aus den Begriffen „Boandl“, sprich dem Gebein, sowie dem „Kramer“, einem herumfahrenden Händler und Geschäftemacher, eben einer Art „Kleinkrämer“ zusammensetzt. Einer solchen, eher armseligen, etwas schmierigen Erscheinung bringt man wenig Achtung und Respekt entgegen. Der bayrische Tod hat im Gegensatz zum gebieterischen Sensen- oder Knochenmann nichts „Dämonisches“, „Unheimliches“ an sich. Um den Tod macht man in Folge dieser „Ikonografie“ kein großes Aufhebens – er gehört zum Leben dazu, nicht mehr und nicht weniger.

Der „Boandl“ ist nicht etwa ein selbstherrlich agierender Popanz, sondern eher ein untertänig auftretender Knecht, der im Auftrag des „Herrn“ seine Arbeit erledigt. Vom Aussehen her, ein bleicher Gesell, ein Armenhäusler, hohlwangig und „knochig“, der halt seinen Job macht, weil es ihm aufgetragen respektive „aufgesetzet“ ist. Als typische „Krämerseele“ ist er einem Handel, einem Spielchen nie abgeneigt. Der Tod ist ein „odrahta Schlankl“. Per se kein unsympathischer Bursche, der einen eben „in aller Unschuld“ ins Jenseits befördert – ohne großes Brimborium. Wer findig und hinterfotzig genug ist, kann den Boandlkramer jedoch überlisten und über den Tisch ziehen. Sprich: in Bayern steht man mit dem Gevatter Tod auf vertrautem Fuß. Wie weiland die alten Kelten fürchtet sich ein echter Alpen-Aborigine vor wenig – und schon gar nicht vor dem Tod. Höchstens, dass einem – nach der sechsten Maß – doch noch der Himmel auf dem Kopf fällt.

Dinesh „Boandl“ Bauer

Stad’l-Session mit „Boandl & Kramer“ – vui Spaß dabei:

De grantige Wirtin

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Photo2946Das Tegernseer Tal ist heute das Kernland der bayerischen Bonzokratie. Rund um den Lago di Bonzo hat die burschikose Bussi-Bussi-Society ihr Domizil aufgeschlagen. Hier trägt man Tracht – auch wenn die aufgebrezelte Botox-Diva und der abgetakelte Joppen-Jüngling kein Wort Bayrisch kauderwelschen. Ende des 19. Jahrhunderts war die schon damals blaublütig, bourgeois angehauchte Gegend rund um den See im schreienden Kontrast zu der seelenlosen Schicki-Szene, ein Hot Spot der bayrischen Literatur und Mundartdichtung. In der zweiten Hälfte ließen sich an dem im Sonnenlicht funkelnden Gewässer inmitten grüner Hügel zahlreiche „Verseschmiede“ und „Federfuchser“ nieder. Die beiden „Wiggerl“ – Ludwig Ganghofer und Ludwig Thoma lebten hier und liegen Seite an Seite am Friedhof von Egern begraben.

800px-Ludwig_Thiersch_Bildnis_des_Dichters_Karl_Stieler_1868Es kommt schließlich nicht von ungefähr das Franz von Kobell die Parade-Figur des schlitzohrigen Bayern, den Brandner Kaspar, in Tegernsee verortet. „Der Brandner-Kasper is a‘ Schlosser g’west und hat bei Tegernsee a‘ kloa’s Häusl g’habt, hübsch hoch ob’n a’m Albach, wo mar auf Schliersee ’nübergeht“, heißt es am Anfang der humorigen Geschichte. Kobell war eine der großen literarischen Vorbilder eines anderen, heute weniger bekannten Tegernseer „Romanciers“, der in seinen Dichtungen, seinen Natur-. und Lebensbildern mit Vorliebe das rurale und rustikale Element bediente. Zu seiner Zeit war der 1842 geborene Karl Stieler eine feste literarische Größe. Der gelernte Jurist war als Schriftsteller höchst erfolgreich – sein Stil gefiel.

800px-Karl_stieler02Die zeitgenössische Literaturkritik bescheinigte dem Autor, dass die Auswahl seiner Stoffe und deren moralischer Gehalt den Beifall des kundigen Publikums verdiene: „Freier Lebensgenuss in den Bergen, Liebesglück und vaterländische Begeisterung“ seien „die immer wiederkehrenden Motive seiner Poesie“. Seine Werke – darunter „Weil’s mi freut!“, „Habt’s a Schneid?“ oder „In der Sommerfrisch“ zeichneten sich überdies durch eine untadelige, formale Gestaltung aus. Der gebürtige Münchner war am Tegernsee aufgewachsen – und Zeit seines Lebens zog es ihn zu den magischen Orten seiner Jugend. Und er verstand es, den einfachen Leuten, den Bauern, Schankdirnen und Holzknechten, aufs Maul zu schauen…Ein Beispiel aus der Gedichtsammlung „Habt’s a Schneid?“ gefällig? „De alte Wirtin z‘ Unterberg, die macht a grantig Gfriss, die ko de Fremdn gor ned leid’n, weil Sie a Wirtin is.´Und wenn wer hikimmt, nachad gront’s, was wollt’s denn Gsindel fremd’s, kriagt’s wieda gor nix z’fressen z’Haus, daß’s bis da eini kemmt’s?“

Dinesh Bauer

P.S: Mehr von mir als Autor? Meine Bayern-Krimis san so schlecht aa ned. Schmökert’s und schnüffelt’s eini. Im Buchhandel und online in den Book-Shops.

Kreuzfahrt ins Gesäuse

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I wanna see the Eiger! Ja und natürlich auch das Matterhorn. Seit die Menschen anfingen, in der unwirtlichen Bergwelt ein fernes, romantisch verbrämtes „Sehnsuchtsziel“ zu erblicken, also seit etwa 175 Jahren, lockten die imposanten Gipfelkulissen die Alpin-Touristen in Scharen nach Grindelwald oder Zermatt.

Wer die lotrechte Nordwand des Eigers vor Augen hat, ist schwer beeindruckt – zweifelsohne. Einen ähnlich tiefen Eindruck hinterlassen die Kalkkolosse des Gesäuses. Doch steter Tropfen höhlt den Stein. So haben sich die Elemente mit der ihnen eignen Hartnäckigkeit daran gemacht, einen Weg durch den Fels zu fräsen. Ein Werk für die Ewigkeit, der einen engen Canyon entstehen ließ. Zwischen Admont und Hieflau, auf einer Länge von 15 Kilometer, zwängen sich die wilden Wasser durch die lotrecht aufragenden Kalkklippen aus teils dunklem, teils hellgrauem Dachstein-Dolomit.

Nördlich der Enns bestimmt die Buchsteingruppe die Szenerie, südlich schieben sich nacheinander die Admonter-Reichensteingruppe, die Hochtorgruppe und die Zinödl-Lugauer-Gruppe wie gewaltige Kulissenwände ins Bild. Felsschicht um Felsschicht hat die Urgewalt des Wassers mit der Präzision eines Seziermessers freigelegt und lässt Geologen tief in die Vergangenheit blicken. Die wilde Welt des Gesäuse ist für jeden Berg-Enthusiasten ein absolutes Highlight. Schwindelerregende Höhen, tief eingeschnittene Täler, Natur pur. Das strudelnde, schäumende, über Stromschnellen wirbelnde Wasser war der Namensgeber dieses rauen, wilden, nahezu menschenleeren Landstrichs. Erst im späten Mittelalter entstanden kleine Siedlungen wie Johnsbach oder Radmer, um Erz abzubauen, Almen anzulegen und den Holzhunger der Barockzeit zu stillen.

Das steinerne Herz des Gesäuses bildet die Hochtorgruppe, mit ihren 1000 Meter hohen Kalkwänden. Eine schier unüberwindliche vertikale Barriere, die in den Gipfeln des Großen Ödsteins und des 2369 Meter hohen Hochtors kulminiert. In den berühmt, berüchtigten Nordwände verunglückten Hunderte von Alpinisten. Selbst die einfachsten Aufstiege, die Normalwege, erfordern Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und ein gewisses klettertechnisches Können. Drei „versicherte“ Wege führen aus dem Ennstal hinauf, durchs Haindlkar, über den Wasserfallweg oder den ursprünglichen Zustieg, dem Peternpfad. Von ähnlich beeindruckender Wildheit und Schroffheit sind die gezackten Zinnen der Reichenstein-Gruppe, mit dem Kalbling, dem Sparafeld und dem 2251 Meter hohen Reichenstein als Kulminationspunkten. Im Weichbild der Wände zeichnen sich auch hier anspruchsvolle Kletterrouten ab.

Dass es in einem solch wild gebärdenden Gebirge wie dem Gesäuse zu zahlreichen tödlichen Unfällen und Bergdramen kam, liegt in der Natur der Berge. Dort wurde ein Holzknecht vom Baum erschlagen, dort ein Almhirt vom Stier aufgespießt, dort erfror eine verirrte Bäuerin in der Eiseskälte des Winters. Von den zahllosen Bergsteigern und Kletterern gar nicht zu reden, die auf ihren Touren den Tod fanden.

Auf dem Johnsbacher Bergfriedhof zeugen die von Efeu überwucherten Grabplatten, die rostigen Gedenktafeln von den Opfern, die der Berg immer wieder einfordert. Auch andere Alpinisten, die in den fernen Anden oder im Himalaya in den Abgrund stürzten, fanden unter den ringsum aufragen Felswänden ihre letzte Ruhestätte – umrahmt von den Bergen, die ihr Schicksal besiegelten. Ein Ort, wie aus Raum und Zeit gefallen.

Dinesh Bauer

P.S: Meine Alpen-Krimis finden Sie im Buchhandel oder im Online-Handel bei den üblichen Verdächtigen:

Drenta da Isar: Originell, eigen, uneben

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DineshBauer2_kleinWie entstehen meine Bücher, diese bayerischen Krimis? Sehnsucht nach zu Hause, nach der Heimat, nach einem Fixpunkt im Leben? Wieso erzählt man überhaupt Geschichten? Was treibt einen dazu, sich einen Plot auszudenken, Figuren zu erfinden und übers Schachbrett zu schieben? Um nach Antworten zu graben, habe ich mir eine imaginäre dritte Person ausgedacht, die mir quasi von „drenta da Isar“, also vom anderen Ufer drüben, sieben Fragen stellt…

Wenn schon einen Roman. Warum schreibst du Krimis und keine heiteren Romanzen oder Road Movies?

Bluadige Hennakrepf, was für eine Frage. Um ein paar Zipfelklatscher ins Jenseits zu expedieren, ohne dabei Gefahr zu laufen, selber im Häfen zu landen. Spaß bei Seite. Ich mag eigenwillige, schräge Charaktere, mit starkem, regionalem Bezug. Unikate, die in Schottland, Schweden oder Sizilien völlig fehl am Platz wären, aber bei uns „dahoam“ prima funktionieren. Die Geschichten selber sind ziemlich verzwickt, schon um den kriminalistischen Spürsinn des Lesers zu wecken. Das Setting, hoffe ich zumindest, spricht jeden an, der ein Faible für die abgründigen Seiten Bayerns hat. Der Begriff „Hoamad“ ist ja extrem vielschichtig und hat etwas Unergründliches, Hintergründiges. Wenn zum Beispiel mein Lederhosen-Lenin Joe Greiner in die Rolle des bayerischen Revoluzzers schlüpft, dann hat das zwar etwas Tragikomisches, aber auch Authentisches. Denn es gibt diesen Typus ja „in natura“, wenn auch an versteckten, „hinteren Plätzen“.

DineshBauer_TotaleWie ist das, wenn du ein neues Buch anfängst? Gibt es da bestimmte, immer wiederkehrende Rituale?

Ritual? Na, eher einen Ritualmord. Im aktuellen Krimi „Herrgottswasser“ habe ich eingehend mit den Gedanken gespielt, einen Ritualmord an den Anfang zu stellen, also im Thriller-Stil zu beginnen. Habe den Gedanken aber wieder verworfen – und mich für eine eher klassische Exposition des Themas – ganz „Old School“ entschieden. Am Anfang steht aber immer die eine Frage: Welche Geschichte will ich erzählen – und wieso?

Welcher Charakter ist dir besonders ans Herz gewachsen – als Identifikationsfigur oder auch Projektionsfläche?

Puh, ich hab ja schon vor 20 Jahren begonnen mich mit diesem Genre zu beschäftigen – lange bevor es den Eberhofer-Hype gab. Über den Zeitraum von 20 Jahren sind zahlreiche Figuren aus der Schablone gefallen, Charaktere die mir lieb und vertraut geworden sind. Darunter ein gewisser Schorsch Wammetsberger, ein anarchischer Querulant, notorischer Quertreiber und starrsinniger Sturschädel, der prinzipiell nie nach Vorschrift arbeitet, sondern mit unorthodoxen Methoden ans Werk geht – und seine Vorgesetzten, aber auch die zuständigen Kripo-Beamten konsequent mit Missachtung straft. Nach dem alten Motto: Ein Bayer ist ein Bayer ist ein Bayer. In „Herrgottswasser“ hat er auch eine winzige Nebenrolle bekommen. Die eigentlichen „Helden“ kommen jedoch als Quartett daher, die Vier kennen sich seit ewigen Zeiten und machen zusammen Musik, sind sich ansonsten jedoch in der Sache selten einig, was wiederum reichlich Zündstoff birgt. Denn was wäre ein echter Bayer ohne seine Maß und eine ordentliche Stammtisch-Streiterei? Noch unausstehlicher.

Die_Gartenlaube_(1876)_b_169Was hat dich dazu animiert, deinen kriminellen Neigungen nicht in Feuerland oder am Kongo nachzugehen, sondern „dahoam“, in deiner Heimat zu drastischen Mitteln zu greifen?

Das Bayerische liegt mir im Blut, oder in der DNA – wie man will. Mein Stammbaum reicht bis in die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs zurück und meine sämtlichen Vorfahren stammen aus dem Biermuda-Dreieck zwischen Bad Aibling, Wolfratshausen und Bad Tölz. Das hat zwangsläufig Spuren hinterlassen. Ich bin eng mit meiner Heimat verflochten: dazu zählt die Sprache, die gewachsene Kultur, das Brauchtum, das kulinarische Erbe und die echte Volksmusik. Mit den Bauernfünfern, den halbseidenen Haderlumpen und Odel-Outlaws kenn ich mich bestens aus. Man muss wahrlich nicht die gängigen Klischees bedienen, um genügend „Modelliermasse“ zur Hand zu haben: knorrige, knurrige, in sich stimmige Charakterköpfe zu kneten. Natürlich kenn ich auch das weiß-blaue Land wie meine Joppentasche: die schroffen Berge, die dunklen Wälder, die windschiefen Winkel – zwischen Idyll und Ideal gähnt immer irgendwo ein Abgrund.

Nun, dein neues Buch ist fix und fertig. Es liegt druckfrisch vor dir am Bankerl. Beginnst du darin, mit sagen wir mal „breiter Brust“ zu blättern?

Iatzt hast mich aber am falschen Fuß erwischt. Es kommt darauf an, würde ich sagen. Gerade wenn eine Lesung ansteht, schau ich mir die einzelnen Kapitel noch einmal genau an. Welche Szene bildet die Quintessenz der Geschichte am besten ab? Welche Dialoge lassen den ureigenen Charakter der Protagonisten durchscheinen? Es fällt mir nämlich meistens echt schwer, mich für eine bestimmte „Untat“ meines „Bavarian Dream-Teams“ zu entscheiden.

Photo2772Wie sieht es bei dir am Schreibtisch aus? Was ist immer in Griffweite – jetzt mal außer der Maus und der Tastatur?

Ohne ein paar Schmiermittel komme ich nicht aus. Da bekenne ich mich in allen Anklagepunkten schuldig. Im wesentlichen lässt sich da zwischen festen und flüssigen „Betriebsstoffen“ unterscheiden. Jeder, der das Vergnügen hat mich etwas näher zu kennen, weiß dass ich ein Blätterteig- und Sahne-Junkie bin. Ein „Süßer“ halt, wie meine Oma immer gesagt hat. Lieber Preiselbeeren als Presssack. Eine besondere Zuneigung bringe ich dem Strudel entgegen. Apfel-, Topfen-, Marillen-Strudel, mmh. Gerade am Nachmittag, zu einem Kaffee-Kanderl. Wenn’s vorm PC mal später wird, geht schon mal ein Stamperl Apfel- oder Birnbrand, am liebsten von einer Privatbrennerei in Bad Feilnbach. Ein Traum, die wissen wie es geht. Noch etwas – meine Maskottchen dürfen keinesfalls unter den Schreibtisch fallen. Die sind so etwas wie ein Talisman oder besser gesagt Talis-Tierchen für mich. Da wäre erstens der freche Elch Ole aus dem Mittsommerland, dann Yosemite Joe, mein Schwarzbär von der West Coast und Yumba, die Dame des Hauses, die hauptberuflich im Tierpark Hellabrunn logiert und etwas kamerascheu ist. Die schauen mir beim Schreiben auf die Finger.

Photo2771Wo stöberst du am liebsten nach neuem Lesestoff, nach neuen Anregungen?

Da ich vom Fernsehen, vom bewegten Bild komme, liebe ich Geschichten, die sehr szenisch gebaut sind – in sich geschlossene Begegnungen, die sich wie Perlen an einer Schnur, aneinanderreihen. Miniaturen, die wie im Brennglas, die Struktur der Story wiederspiegeln. Und ich bin ein Fan von Serien, einzelne Episoden die durch ähnliche Szenerien und natürlich dieselben Darsteller miteinander verwoben sind. Um das „Richtige“ zu finden, geht nichts über akribische „Feldforschung“, also eine Versuchsgrabung in den Regalen von Buchhandlungen und Büchereien. Da bin ich in meinem haptischen Metier.

Euer „Buch-Macher“ Dinesh Bauer

Lust auf eine meiner Geschichten? Sie finden meine Krimis wie „Bayerisches Roulette“ oder „Herrgottswasser“ im Buchhandel oder bei den Buch-Discountern im Netz. Schmökern Sie mal rein – tät mich gfrein…

 

 

 

Murder Mystery am Königssee

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köseeDas Berchtesgadener Land ist einer der touristischen Hot Spots der bayerischen Alpen. Schon seit weit über 100 Jahren. Die Herrscher aus dem Haus Wittelsbach und der erste Mann des Dritten Reichs wussten das von Gebirgszügen umrahmte arkadische Idyll zu schätzen. Mittendrin im Kalkweiß der Gipfel und dem Grün der Wälder eine königsblaue Perle: der Königssee. An schönen Sommer- oder Herbsttagen tummeln sich hier Abertausende von Ausflüglern und Sommerfrischlern aus aller Welt. Wenn nicht gerade die Angst vor einem hoch ansteckenden Virus die Sonnendecks, Picknickplätze und Brotzeitstüberl leer fegt. Zwischen Berchtesgaden, Ramsau und Sankt Bartholomä ist die große Stille im Auge des Orkans eingekehrt. Wie damals in der dritten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Felsen und Forsten noch nicht von einer Armada von Outdoor-Aktivisten im passenden Fleece- und Softshell-Look überschwemmt waren. Eine Zeit, in der Waidmänner und Wildschützen in Loden und Leder durch die unwirtliche Wildnis pirschten – und es Gams statt Goretex to Go hieß.

regenalm1Die Geschichte um die es hier geht, spielt vor der himmelstrebenden Kulisse der Wände des Watzmanns, hoch droben auf den Alm- und Alpflächen auf der anderen Seeseite. Der Schauplatz des dramatischen Geschehens: die Regen-Alm. Ein abgelegener Platz oberhalb des Obersees. Die auf 1540 Meter Höhe gelegene Hochalm wurde dem Sommer über beweidet, von rund 40 Mutterkühen und Kälbern, aber auch von zwei Pferde und drei Ochsen. Neben dem Kaser, einem im 18. Jahrhundert errichteten, in eine Mulde geduckten Blockbau, ließ König Maximilian II. 1848 eine Hofjagdhütte im rustikalen Alpin-Stil erbauen. Beide Bauten stehen heute unter Denkmalschutz. Die Regen-Alm ist einzig über den steilen Kaunersteg von der Salet-Alm an der Südspitze des Sees oder von Norden her über einen sich endlos durch Fichtenwälder windenden Forstweg über die Gotzental- und Seeau-Alm zu erreichen.

Die_Gartenlaube_(1876)_b_169Auf dem einsamen Vorposten zu Füßen des Hagengebirges wachte im 19. Jahrhundert ein einsamer Jagdgehilfe im „Bürschhäusel“ – eben der Hofjagdhütte – bis weit in den Herbst hinein über die königlichen Forsten und Fluren, über das „edle Jagdwild“, also über Reh, Gams und Hirsch. Die Wach-Schicht dauerte jeweils eine Woche. Dem Wächter zum Trotz trieben sich in der unwegsamen Gegend jedoch immer wieder dunkle Gesellen herum, um sich ein „feines Braterl“ zu schießen.

Der seinerzeit beliebte Reiseschriftsteller Heinrich Noe hat die mysteriöse, ins Dunkel der Geschichte gehüllte Mordtat an den dort diensttuenden Jagdgehilfen Wildbüchler getreulich überliefert: „Eines Tages wurde ein junger Jäger hinaufgeschickt, um seinen Kameraden Klotz abzulösen. Der Klotz verließ die Hütte, bevor die Ablösung kam, weil ihm sein Vorrat an Lebensmitteln ausgegangen war. Zu gleicher Zeit, befanden sich auf der Gotzental- und Seeaualm, an welcher man vorüberkommt, wenn man von Kesselbach emporsteigt, verschiedene Forstleute und Jagdgehilfen, welche beabsichtigten, noch am Abend zur Regenalm hinüberzugehen, dort die Nacht zuzubringen und am Morgen auf die Pirsch zu gehen. Am Abend desselben Tages, auf dem der Wildbüchler auf der Regenalm eingetroffen sein sollte, machten sich diese bei eintretender Dunkelheit auf. Zwei Jagdgehilfen gingen voraus, die anderen folgten in geringer Entfernung.

Das_Ende_des_WildschuetzenAls diese beiden in die Felsgegend des „Regner-Klamml“ kamen, stieß der eine, ein gewisser Scherentanner, mit dem Fuße an einem Gegenstand auf dem Pfade. Da sich dieser weich anfühlte, so griff er in der Dunkelheit, indem er sich niederbeugte, mit der Hand danach, er geriet mit den Fingern in Haare und über ein Gesicht. „Herrgott, da liegt einer!“, rief er. Sofort steckte der andere einige Zündhölzchen an und bei dem Scheine derselben erkannten sie den Wildbüchler. Er lag auf dem Boden dahingestreckt, die Brust zeigte Blutflecken und eine Schusswunde. Der Kopf lag auf einem Steine, daneben Bergstecken und Gewehr, von welchem, wie es sich später zeigte, die beiden Läufe geladen waren. Neben ihm befand sich auch der Rucksack und über dem Gesicht lag zur Hälfte einer jener runden Jägerhüte, denen man wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem gleichnamigen Waldschwamm die Bezeichnung „Täublinghut“ gegeben hat. Sofort erklärte der Scherentanner, daß er von dem Leichnam nicht fortgehe, sondern die ganze Nacht bei ihm wachen und so lange bleiben wolle, bis die Herren vom Gericht zur Stelle wären. So geschah es auch. Der andere Jagdgehilfe stieg über die Kaunerwand hinab zum See, um Lärm zu machen, die beiden Förster aber gingen zur Regenalm hinauf.

regenalm2Dort fanden sie im Pirschhäusl die Spuren eines eiligen Aufbruchs. Eine Schüssel stand da, noch halb voll Brennsuppe, und in einiger Entfernung lag der Löffel auf dem Tisch, wie in der Überraschung weggeworfen. Die erste Untersuchung gab folgende Aufklärungen: der herabsteigende Klotz war dem hinaufsteigenden Wildbüchler in der Nähe der Kauneralm begegnet. Später hatte ihn niemand mehr gesehen, wohl aber ein Holzknecht, der im Walde beschäftigt war, ungefähr eine Stunde nach diesem Zusammentreffen dreizehn Schüsse gehört. Seltsamerweise fiel der erste Verdacht auf den einen und anderen Jagdgehilfen selbst. Es mochte sein, daß einer von ihnen Wild veruntreut hatte und sich den Wildbüchler als einen unbequemen Zeugen oder Angeber vom Halse schaffte. Auch der Scherentanner, der die Nacht über bei ihm wachte, geriet in Beargwöhnung. Derselbe hatte nämlich die beiden geladenen Läufe abgeschossen, um, wie er sagte, irgendein Unglück, das bei dem Herumgreifen an dem Gewehre sich ereignen konnte, zu verhüten. Die Argwöhnischen legten es ihm aber so aus, daß es geschehen sei, um den Glauben entstehen zu lassen, als habe der Wildbüchler zuerst geschossen. Der Scherentanner war ein Trinker und hatte seinerzeit viele Zerwürfnisse mit dem Getöten gehabt. Es traten Zeugen auf, welche erhärteten, derselbe habe einmal im berauschten Zustande geäußert, er werde den Wildbüchler erschießen. Aber all dieses Gerede erwies sich als grundlos. Der Scherentanner wieß nach, daß er die ganze Zeit über sich weit von dem Schauplatz der Untat aufgehalten habe und eben sowenig konnte der Argwohn gegenüber den anderen bestehen. Die Leiche des Wildbüchler wurde von vier Holzknechten zum See hinabgetragen.“ Ende des Berichts – Aktenzeichen XY.

Wer also war der Täter? Mister X, einer der Jagdgehilfen, der Holzknecht, der Boazenbruder Scherentanner oder gar Wildbüchlers Kollege Klotz? Wen verdächtigen Sie? Ein echter „Cold Case“ auf jeden Fall. Eine Bluttat, die wenn auch fast vergessen, wohl nie aufgeklärt werden wird.

Dinesh Bauer

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