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20_02_1810-die-erschiessung-von-andreas-hofer-in-mantua_1

Die  Exekution von „General Barbone“ – wie die italienischen Truppen Andreas Hofer nicht ohne eine gewisse Hochachtung nannten – war für den 20. Februar 1810 auf 10 Uhr 45 Uhr vormittags angesetzt. Ort der Hinrichtung: ein kleiner Innenhof unterhalb eines Festungswalls der oberitalienischen Garnisonsstadt Mantua. Militärische Hinrichtungen liefen zur Zeit der Napoleonischen Kriege einem exakt festgelegten Procedere ab: Die Truppen bildeten ein dreiseitiges Karree – nach einer Seite hin war das Karree offen. In Begleitung eines Priesters wird der Delinquent unter Trommelwirbel vorgeführt. In der Mitte des Karrees wird das Todesurteil verlesen. Unter dem Schlag der Trommeln werden dem Verurteilten die Augen mit einer schwarzen Binde verbunden. Dann musste er niederknien. Zwölf Mann unter dem Kommando eines Offiziers eröffnen aus einem Abstand von zehn Schritten das Feuer. Ein Reservepeloton à vier Mann steht bereit, um den Verwundeten notfalls aus nächster Nähe den Gnadenschuss zu geben. Andreas Hofer, gewester Landeskommandant Tirols, war tot. Doch die Erinnerung an den Sandwirt, einen unerschrockenen und zu allem entschlossenen Patrioten, lebt bis heute fort.

1024px-Kager_Hofers_letzter_GangBei der Hinrichtung Andreas Hofers weicht man von dieser Standard-Prozedur jedoch erheblich ab. Der Innsbrucker Rechtsanwalt Granichstädten-Czerva schildert in seinen Prozesserläuterungen die Szene wie folgt: an der Hinrichtungsstätte wird Hofer von General Peter Franz Bisson, der Mitglied des Kriegsgerichts war sowie seinem Anwalt Joachim Basevi erwartet. Zwölf Grenadiere des 2. Bataillons des 13. französischen Grenadierregiments bilden das Exekutionskommando, sie unterstehen dem Befehl des aus Luxemburg stammenden Feldwebels Michel Eiffes. Hofer lehnt die dargebotene Augenbinde ab und verweigert den Kniefall. Nach einem letzten Gruß an die Heimat, erteilt der Sandwirt selbst den Feuerbefehl. In seinen von einem Neffen aufgezeichneten Kriegserlebnissen, zeichnet Eiffes ein plastisches Bild der Vorgänge am Morgen des 20. Februar. „Erste Salve: Hofer fällt in die Knie von sechs Kugeln getroffen. Zweite Salve: Hofer ist über den Augenbrauen, zwischen den Lippen und dem Kinn getroffen und bricht zusammen.“ Tot ist der stämmige „5 Schuh und 8 Zoll“ große Mann aber noch immer nicht. Eiffes tritt heran, hält ihm seine Pistole an die linke Schläfe und drückt ab.

Combat_du_BergiselNach der vernichtenden Niederlage in der letzten Schlacht am Berg Isel Anfang November 1809 hatte sich Hofer mit einigen wenigen Getreuen über den Brenner nach Süden abgesetzt. Dort versuchten sie den Widerstand neu zu organisieren, im Passeiertal und in der Gegend um Meran kam es daraufhin zu etlichen Scharmützeln. Doch der Krieg der Tiroler war verloren, die Hoffnung dahin. Der Sandwirt entschließt sich zur Flucht. Zusammen mit seiner Familie und Schreiber Kajetan Sweth sucht er Anfang Jänner Zuflucht auf der Pfandler-Alm, oberhalb von Sankt Martin in Passeier. „Doch Verrath folgte ihm auf den Fersen“. Franz Raffl aus Schenna, einstiger Weggefährte Hofers, verrät ihn für 1500 Gulden an die Franzosen. In den frühen Morgenstunden des 28. Jänner sind die Häscher, ein rund 50 Mann starkes Detachement, zur Stelle. „Hofer wurden die Hände im Rücken gefesselt, ein Seil um den Hals gelegt, ein anders um die Hüften. Es hagelte Schläge, die Soldaten rissen dem Sandwirt Haar- und Bartsträhnen aus, um die Trophäen ihren Kameraden zu zeigen.“ Hofers Gemahlin Anna und seinen Sohn Hans nahm man zunächst im Geißelhaft, ließ sie aber gnadenhalber in Bozen frei. Für Hofer und Sweth ging ihre „italienische Reise“ über Neumarkt, Trient, Rovereto und Peschiera nach Mantua. Am 5. Februar hatten sie ihr Ziel erreicht. Hofer und sein Schreiber wurden in ein Kellerverlies der Citadella di Porto gesperrt. Napoleon hatte zunächst vorgehabt Hofer nach Vincennes in Frankreich zu überstellen. Mit einem Schreiben vom 11. Februar wies er dann aber seinen Stiefsohn Eugène de Beauharnais, Vizekönig von Italien, an, eine Militärkommission einzuberufen, um Hofer rasch abzuurteilen. In der „Causa Hofer“ war plötzlich Eile geboten. Am 1. April wollte sich Napoleon mit Erzherzogin Marie Louise von Österreich vermählen – und kein Bittschreiben in die Hand gedrückt bekommen.

Andreas_Hofer_(Wachter)Die „Spezial-Militärkommission“ bestellte einen jungen Mantuaner Anwalt namens Joachim Basevi zum Pflichtverteidiger Hofers. Die Verhandlung vor dem Militärgericht wurde auf Französisch geführt und war – da der Schuldspruch bereits feststand – gelinde gesagt eine Farce. Der Anwalt beklagte unter anderem die fehlerhaften, unzulänglichen Übersetzungen von Hofers Worten durch die unfähigen Dolmetscher. Dem Anwalt Basevi hatte man zudem nur einige Berichte des Militärkommandanten ausgehändigt, aus denen die Schuld Hofers angeblich klar und unwiderlegbar hervorging. Dem Beschuldigten wurde insbesondere zur Last gelegt, dass er auch nach dem Friedensschluss zu Schönbrunn vom 14. Oktober 1809 den Kampf fortgeführt habe. In einem Erlass des Vizekönigs, sei jedem Insurgenten in Falle weiterer widerrechtlicher Kriegshandlungen, die Todesstrafe angedroht worden. Desweiteren habe man Hofer bei seiner Festnahme  „mit einem Gewehr in der Hand“ angetroffen und einige Pistolen sowie einen Degen in seinem Alm-Versteck entdeckt. Die Verhandlung gegen den gewesten Landverweser von Tirol wurde für den 19. Februar, um 15 Uhr im Palazzo Arco angesetzt. Es fand weder ein Verhör des Beschuldigten statt, noch wurde dem Anwalt erlaubt, Entlastungszeugen aufzurufen. Basevi bescheinigte seinem Mandanten: „Sein Verhalten zeichnete sich durch große Ruhe, Offenheit und Würde aus.“ Der Advocatus schilderte Hofer in seinem Plädoyer als „einfachen, redlichen und fleißigen Mann“, dem „jede Lüge fremd“ sei und der allein aus Liebe zur Heimat zu den Waffen gegriffen habe. Als Soldat habe der Sandwirt einzig der Pflicht gehorcht, wofür er nicht bestraft werden könne. „Ich kann ruhigen Gewissens behaupten, dass das vorliegende Beweismaterial zu einem Schuldspruch nicht ausreicht.“ Die Ankläger sahen dies naturgemäß anders. Nach zweieinhalb Stunden war der Prozess beendet und Hofer wurde zurück in seine Zelle gebracht. Der Urteilsspruch des Kriegsgerichts fiel einstimmig aus: Tod durch Erschießen. Am folgenden Tag, den 20. Februar, zu vollstrecken.

Innsbruck_Goldener_Adler_Hofer_Tafel„So endete das Leben eines tapferen Führers; das war das traurige Schicksal eines Helden, der wahrlich ein schöneres, seinen Thaten angemessenes Loos verdient hätte. Doch der Krieg verschont keinen, sogar die Besten nicht, und niemand weiß heute, wie es morgen mit ihm stehen wird“, heißt es in den „Erlebnissen“ Eiffes. Noch am Tag der Hinrichtung wurde Hofers Leichnam in der Kirche San Michele beigesetzt, dies vermerkt der dortige Priester im Totenbuch. Im Sterbebuch von Sankt Leonhard in Passeier, der Heimatgemeinde Hofers, wird dessen Ableben gleichsam protokolliert. Auffällig ist das – später korrigierte – falsche Todesdatum sowie einige unleserliche Stellen: „Andras Hofer gewester (…) Wirth. an St. Grab auf dem Sandt. Verheurathet. Zu Mantua (…) erschossen, den 9. Merz 1810. 44 Jahr.“ 13 Jahre später, im Jahr 1823 werden Hofers sterbliche Überreste in einer Nacht- und Nebelaktion von einem Regiment der Kaiserjäger ausgegraben. Da man nicht wusste, wo sich das Grab genau befand, weil der Friedhof inzwischen aufgelassen und in den Pfarrgarten umgewandelt worden war, weckte man den Pfarrer, der den Männern die Stelle zeigte. Die anhand der Einschusslöcher leicht zu identifizierenden Gebeine Hofers wurden nach Innsbruck „überführt“ und in der Hofkirche beigesetzt. Dort befindet sich bis heute seine letzte Ruhestätte. Das Grabmal schuf anno 1834 im Auftrag von Kaiser Franz I. der Wiener Bildhauer Johann Nepomuk Schaller. Im Stil des 19. Jahrhunderts wird Andreas Hofer – eine Fahne in der Hand haltend – in martialischer Pose und mit stolz erhobenem Haupt gezeigt.

Dinesh Bauer

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