Ein klarer Fall für Schorsch Wammetsberger

Meine Bayern-Krimis sind erfrischend anders. Kein Aufguss von Eberhofer, Kluftinger & Co. Dafür sorgt schon der „leicht übergewichtige Held“ der Geschichte. Dorf-Gendarm Schorsch Wammetsberger ist ein Mann für alle Fälle. Am liebsten hätte Schorsch seine Ruhe, sein Bier und seine Elfriede. Bei den „Grünen“ ist er nur gelandet, weil er dort A) als Beamter auf Lebenszeit unkündbar ist, B) in der Polizeiinspektion Bad Brennbruck das Sagen hat und C) zu den allseits geschätzten Dorf-Honoratioren zählt. Zu Wammetsbergers Unmut kommt ihm jedoch regelmäßig der Boandlkramer in die Quere. Eine Leiche beim Schafkopfen, eine Leiche beim Wildern. Schorsch bleibt nichts anderes übrig, als die unnatürlichen Todes-Fälle auf seine eigene unorthodoxe Weise zu lösen. Dabei handelt er getreu der Devise: Jeder kann sagen was er denkt – solange er tut, was ich will!

Doch auch die „Nebenrollen“ sind prominent besetzt: Wammetsbergers ewiger „Rivale“ ist der ebenso scharfsinnige wie spitzfindige Kripo-Kommissar Korbinian Eyrainer. Ein „Urban Bayer“ – überlegt, scharfsichtig und grüblerisch. Kurzum, Eyrainer und Wammetsberger sind nicht gerade „Freunde“, ja eher wie Fleischpflanzerl und Foie grasse, wie Pinot Noir und Bräuberger Hell. An Eyrainers Seite sorgt Leo „Hartl“ Harthofer, das „Enfant Terrible“ der Kripo Grenzberg, für Unruhe und Verwirrung, zumal „Hartl“ gern als verdeckter Ermittler im Untergrund arbeitet.

Doch auch Wammetsbergers hat mit seinen „Getreuen“ nicht nur Freude: Xaver Gschwandtner und Ignaz Irgl, ein echtes „B-Team“ – B wie Bier, Brotzeit und Brennsuppe. Dank ihrem Hang zu hochprozentigen Eingebungen und eigenmächtigen Aktionen, sind die beiden „Alm-Anarchos“ immer für eine „Überraschung“ gut – und rauben Schorsch den letzten Nerv. Andere illustre Figuren bereichern die Geschichte: „Stocki“ Stockinger, die ebenso modisch bewusste wie esoterisch versierte Team-Assistentin Eyrainers oder der starrköpfige Malz-Marxist „Che“ Wildbichler, der zwischen Untergrund und Unterholz seine Pirouetten dreht.

Die mörderischen Geschichten selbst sind verwickelt, verwirrend vielschichtig – und nie vorhersehbar. Spaß und Spannung bilden die zentrale Achse – doch es gibt auch stets eine historische und politische Ebene, die das Geschehen und die Geschichte vorantreibt. Schwarzhumorige Abenteuergeschichten in der altehrwürdigen Tradition der großen Krimi-Erzähler.

Dinesh Bauer

Interview mit dem Magazin HaymonKrimi:

Was macht für dich den Reiz deiner Geschichten aus?

Dinesh Bauer: Die Stories spielen im bayrischen Oberland, dem urbayrischen Landstrich nördlich der Alpen. Zum Teil aber auch drüben in Tirol. Bayern und Tiroler verbindet ja seit Jahrhunderten eine innige „Hassliebe“. Das Setting spricht jeden an, der Bayern und die Berge liebt. Im O-Ton spricht man bayrisch – und die Protagonisten sind felsenfest mit ihrer „Hoamad“ verankert. Meine Bücher unterscheiden sich durch ihre Authentizität und Originalität von anderen Krimis des Genres „Alpen-Krimi“. Knorrige, kauzige Charaktere wie Dorf-Bulle Schorsch Wammetsberger, sein schießwütiger Spez’l Ignaz Irgl oder der Lederhosen-Lenin „Che“ Wildbichler sind auch „in natura“ an den Stammtischen zu finden. Dementsprechend herzhaft und handfest entwickeln sich die Dialoge. Die Geschichten sind schräg, schroff und abgründig – die Sprache am Punkt pointiert.

Die Regiokrimis zwischen Sylt und Salurn haben ja Hochkonjunktur. Was hat dich zum Schreiben bewegt?

Dinesh Bauer: Ich hab ja schon vor 15 Jahren angefangen mich mit diesem Genre zu beschäftigen – da war da noch so gut wie nix am Markt. 2010 ist mein erster „Heimatkrimi“ im Selbstverlag erschienen. Die Wammetsberger-Reihe geht ein wenig andere Wege, als die meisten anderen Krimis. Es gibt zwei klar definierte Handlungsstränge – und jeder Mordfall hat einen aktuellen Aufhänger – also Themen wie Filz in der Lokalpolitik, Terrorismus-Hysterie oder die Flüchtlingsproblematik. Diese komplexen und zweifelsohne bedeutsamen Themen nehmen meine Protagonisten jedoch bewusst auf die „leichte Schulter“. Für mich steht das sinnbildlich dafür nie den Humor zu verlieren – sonst ist man verloren.

Wie wichtig ist Bayern, ist die bayrische Lebensart für dich?

Dinesh Bauer: Ich bin bekennender Bayer – und schau den Leuten beim Stammtisch und auf der Straße genau aufs Maul: den „Bauernfünfern“, den halbseidenen Haderlumpen und Odel-Outlaws. Deswegen komme ich ohne die Klischees aus, die andere Autoren dieses Genres gerne bedienen. In der eigenen Familie und im Freundeskreis finde ich genügend „Modelliermasse“, um daraus stimmige Charakterköpfe zu formen. Dazu kommen die mit viel Liebe und „von Hand“ kolorierten Schauplätze: schroffe Berge, dichte Wälder, windschiefe Wegkreuze, urige Wirtsstuben. Immer irgendwo zwischen Idyll und gähnendem Abgrund. Kulturelle Besonderheiten und regionale Bezüge gibt es zum “Sau füttern“ – und zwar sowohl in der Sprache, als auch in Bezug auf die Traditionen und die Lokalgeschichte. Das ist mir sehr wichtig.

Egal ob der Kommissar Kluftinger oder Eberhofer heißt. Regional-Krimis haben immer Seriencharakter. Wie sieht es bei dir aus. Können wir noch mehr Untaten vom Bavarian Dream-Team Eyrainer und Wammetsberger erwarten?

Dinesh Bauer: Sowieso. Die Schorsch Wammetsberger-Krimis sind als Serie konzipiert, wie Hubert & Staller oder München 7 wenn du so willst. Da ich vom Fernsehen, vom bewegten Bild komme, sind die einzelnen Kapitel immer sehr szenisch gebaut – und eine kleine Geschichte in sich. Die einzelnen Episoden, respektive Fälle sind jedoch vollkommen unabhängig voneinander und durch die gleichen Schauplätze und natürlich durch dieselben Protagonisten locker miteinander verwoben. Am 26. September erscheint mein erster Krimi „Die Schwarze Jagd“ als gebundenes Buch bei euch. Da freue ich mich schon riesig drauf. Der nächste Fall für Schorsch steht aber schon in den Startlöchern – und „Solo für Schorsch“ wird natürlich wieder ein Hammer. Zumal es nicht nur um das Kult-Kartenspiel „Schafkopf“ geht, sondern auch die Freiheits-Ikone Andreas Hofer in einer Nebenrolle glänzt. Freut euch drauf!

 

Die Schwarze Jagd, Haymon Verlag 2017, gebundene Ausgabe, 304 Seiten, ISBN-13: 978-3709934043. Preis: 17,90 €, auch als eBook erhältlich

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