isar_1Mit dem Floß am Fluß – auf Lech, Isar, Inn und Salzach. Die reißenden Gebirgsflüsse des Oberlands bedeuteten für die Isar- oder Innschiffer über Jahrhunderte zu gleich Fluch und Segen. Ein oft kolportierter Spruch der Isarflößer lautete: Mia fahr’n auf Minga mit’m Floß, des geht vui schneller als mim Roß!

innschifffahrtBis in die Zeit der Industrialisierung und den Bau der ersten Eisenbahnen war die Schifffahrt auf den Flüssen das wirtschaftliche Rückgrat des Voralpenlands. Waren aller Art – Holz, Getreide, Baustoffe, Glaswaren, Metalle, Wein, Fleisch, Fett, Wachs, Waffen, Gewürze aus dem Orient und vor allem Salz – wurden auf den unberechenbaren Gebirgsströmen zur Donau und nach Passau hinab transportiert. Aber auch Passagiere – Kaufleute und Soldaten, Fürsten und Handwerker, ja sogar ein Holzschnitzer samt Flügelaltar – reisten auf Inn und Isar. Bis zum Bau der Inntal-Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts war der Inn die Hauptverkehrsader des Bayern-Landes. Ein blaues Band, dass Passau an der Donau mit Hall in Tirol verband. Die Landstraßen waren anno Domini in aller Regel keine Alternative: sie befanden sich in einem miserablen, bemitleidenswerten Zustand und das Fassungsvermögen für Fässer und Fracht aller Art der Lastkähne war um ein vielfaches größer denn die der wackligen Fuhrwerke.

Innschiff2Ein Schiff trug im Mittelalter im Schnitt rund 65, im 18. Jahrhundert bereits um die 125 Tonnen. Flussabwärts legten die Plätten oder Flöße über 40 Kilometer, flussaufwärts – von Pferden gezogen – maximal 15 Kilometer pro Tag zurück. Große, meist in Hall oder Rosenheim gezimmerte Plätten, waren bis zu 35 Meter lang und 11 Meter breit. Allerdings war der Inn aufgrund seines unregelmäßigen Wasserstands nur rund 6 Monate im Jahr befahrbar. Im Winter ruhte der Schiffsverkehr aufgrund des Eisgangs oft für Wochen völlig. Doch auch im Frühling und Sommer war die Fahrt auf dem wilden, ungezähmten Gebirgsfluss nicht ungefährlich: Felsen, Treibholz, Sandbänke und Strudel ließen die Schiffsreise oft zu einem lebensgefährlichen Unterfangen werden. Zumal es ja keine Staustufen gab, die den Fluss regulierten.

innschiff_nussd_stangeDer Beginn der Schifffahrt auf dem Inn liegt im historischen Dunkel. Die Römer nutzten die Wasserader jedoch bereits zum Transport von Truppen und Wirtschaftsgütern. Das goldene Zeitalter der Inn-Schiffer war das 15. und 16. Jahrhundert. Die Arbeit der Schiffsleute war hart und entbehrungsreich. Die „Inn-Matrosen“ waren verwegene, trinkfeste Gesellen – ungestüm und aufbrausend wie der Fluss selbst. An Land waren die „Flussmänner“ aufgrund ihrer rauen Sitten gefürchtet. Schwimmen konnten die Schiffleut indes nicht, sollten Sie doch an Bord bleiben, wenn Schiff und Ladung Gefahr drohte. So verließen bei einer Havarie nur die Ratten das sinkende Flussschiff.

2678Weit verbreitet war auch der Aberglaube, dass alles, was ins Wasser fiel, dem Flussgott anheim fiel. So war es strikt verboten, Ertrinkenden zu helfen. Wollte es man sich doch nicht mit Neptuns Nepoten verderben. Bis ins 19. Jahrhundert saßen in allen Innstädten reiche Schiffsmeistersippen wie die Riedl und Buchauer von Wasserburg oder die Greiderer in Rosenheim.

7444208_web1854 fuhr der erste Raddampfer auf dem Inn. Zwei Tage brauchte der Dampfer den Fluss hinauf nach Rosenheim. Abwärts ging es bedeutend schneller: in neun Stunden waren die Passagiere in Passau. Nach einer kurzen Blütezeit kam jedoch schnell das „Aus“ für die Inn-Dampfschifffahrt. Und der Güter- und Personenverkehr verlagerte sich auf Schiene und Straße.

Dinesh Bauer

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Der Inn – Fakten:
Der Inn entspringt am Maloja-Pass im Oberengadin und mündet bei Passau in die Donau. Von der Quelle bis zur Mündung legt er eine Strecke von 517 Kilometer zurück. 344 Kilometer – bis Hall in Tirol – waren in früheren Zeiten schiffbar. Flöße konnten den Inn bis Telfs, maximal bis Mötz befahren. Von dort wurden die Waren auf Saumwegen in die Schweiz und nach Schwaben gekarrt. Bedeutendster Nebenfluss ist die Salzach. Im Oberlauf ist der Fluss ziemlich schmal, verbreitert sich bis Innsbruck jedoch erheblich. Die Wassertiefe unterliegt starken Schwankungen und hängt von verschiedenen jahreszeitlichen Einflüssen wie Schneeschmelze, starke Herbst- oder Frühjahrsregen ab. Bei Rosenheim beträgt der mittlere Pegelstand in etwa 3,50 Meter, bei Hochwasser bis zu 6 Meter. Im Mittelalter suchte sich der Fluss sein Bett selbst und schlängelte sich in wilden Mäandern durchs Tal. Im 19. Jahrhundert wurde der Inn begradigt und eingedämmt. Die Breite im Mittellauf beträgt in etwa 110 Meter. Durch die Regulierung des Flusses und den Einbau zahlreicher Staustufen zur Stromerzeugung ist die Gefahr von Überschwemmungen heute weitgehend gebannt.

Mehr über den Inn und die historische Innschifffahrt: http://innschifffahrt.antonprock.at/

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