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IMG_2124_EverestMount Everest. Mount Mc Kinley. Pico Cristobal Colon. Carstensz-Pyramide. Einige der größten und berühmtesten Felsspitzen wurden nach mehr oder weniger bekannten und bedeutenden Persönlichkeiten benannt. Nach einem britischen Landvermesser, einem amerikanischen Präsidenten, einem genuesischen Entdecker in Diensten der kastilischen Krone, einem holländischen Navigator, der an den Küsten Neuguineas entlang schipperte. Und da wären neben dem Pik Lenin, der heute noch so heißt, der Pik Stalin alias Pik Kommunismus alias Pik Ismail Somoni zu nennen.

193px-HeiglkopfDer letztere 7495 Meter hohe Berg im Pamir zeigt, dass sich die Namen eines Gipfels je nach politischer und ideologischer Schönwetterlage durchaus ändern können. Während der aus Fels und Eis geformte Bergriese selbst eine weitaus längere Lebensspanne sein eigen nennt als die von Menschen gemachten Namen. Ein schräges, ja skurriles Beispiel für die Unbeständigkeit menschlicher Gipfelnomenklatura ist der Hitler-Berg im Isarwinkel.

heigelkopf16Eine Geschichte, die eher einer Provinzposse oder einer Schildbürger-Mär gleicht. Handelt es sich beim „Mount Hitler“ nicht etwa um einen markanten, die Umgebung überragenden Granitgiganten oder Dolomit-Riesen, sondern um einen unscheinbaren Wald- und Wiesenbuckel in den bayrischen Voralpen. Den 1205 nach anderer Lesart 1218 Meter hohen Heigel- oder Heiglkopf oberhalb von Wackersberg bei Bad Tolz. Vom Tal in eineinhalb Stunden und von der Blomberg-Bergbahn in 20 Minuten zu besteigen. Ein sanfter, von Kuh-Hufen gezeichneter Grasgrat stapft zum Gipfelkreuz hinauf. Von den zwei Bankerln aus weitet sich der Blick ins Isartal. Ringsum friedlich wiederkäuendes Almvieh, dass sich die frischen Berggräser einverleibt. Und regelmäßig dicke, tellerförmige Fladen zu Boden plumpsen lässt. Hier oben erinnert nix an den „Führer“ – außer den braunen Rindvieh-Exkrementen.

Bild0803Und doch führte Google-Earth über Jahre hinweg die Muh- und Kuh-Höhe unter den Namen Hitler-Berg. Wenn man den Namen in die Suchmaske eintippte, erschienen die GPS-Daten des Heigelkopfs. Wie konnte es zu dieser absurden Fehl-Benennung kommen? Nun, ganz einfach: Zur glorreichen Zeit des Dritten Reichs trug die Wiesenkuppe tatsächlich den Namen des vom Volk weithin verehrten und mit Gunstbezeugungen überhäuften Reichsführers. Da wollten die wackeren Wackersberger nicht nachstehen.

Bild0805Eingefleischte Führer-Fans benannten die Anhöhe gleich 1933 nach den Mann der Stunde. Der Gemeinderat zögerte daraufhin nicht lange und beschloss Adolf Hitler zum Ehrenbürger zu ernennen. So wie Tausende anderer Gemeinden auch. Hitler bekam obendrauf seinen eigenen, wenn auch etwas mickrigen Berg. Auf dem Gipfel wurde im Juli 1933 ein gewaltiges, aus Eisen gegossenes Hakenkreuz aufgestellt. Nach 1945 wurde dieses „Gipfelkreuz“ als unpassend empfunden und durch ein schlichtes Holzkreuz ersetzt. Dieses markiert bis heute den höchsten Punkt des Heigelkopfs – eine Bronzetafel erinnert an die Gefallenen der Weltkriege. Der Heigelkopf hat seinen Frieden wieder – Google Earth hin, Google Earth her. Und was sind Namen – denn Schall und Rauch.

Dinesh Bauer

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