20140811_1156„Arsch, Scheiß, Dreck!“ Das Hochdeutsche hat in punkto „Vulgärsprache“ wenig mehr als primitive Pöbeleien, unflätige Beleidigungen und grobe Obszönitäten zu bieten. Es fehlt an Raffinement, Wortsinn und Esprit. Kurz und gut: es fehlt die Liebe zum sprachlichen Detail, zur kunstvollen „Arsch-Arabeske“. Es mangelt an einer tief verwurzelten, sinnlichen Leidenschaft fürs streiten, fluchen und flaxen. Anders in Bayern. Die Kreation archetypischer „Four-letter-words“ hat eine lange Tradition. Der hier ansässige Volksstamm hat es von jeher verstanden, Kraftausdrücke zu kultivieren, mit Polemik und Ironie zu garnieren. Um einen derben Ausdruck, der eine Person oder einen Umstand treffend charakterisiert, war der Bayer nie verlegen.

20140811_1146Einen Grund missmutig und grantig zu sein, zu grummeln und zu grollen findet sich sowieso. Gilt doch das eherne Prinzip des Dualismus: Wenn A nicht B, dann B nicht A. Folglich gibt es immer etwas auszusetzen und zu meckern. Entweder es ist zu heiß oder zu kalt, zu sonnig oder zu schattig, zu fad oder zu scharf, zu lätschert oder zu resch, zu kurz oder zu lang. Recht machen, kann man es einen Bayern nie. Ist doch der Ist-Zustand ein suboptimaler, weil es ja auch besser oder zumindest anders sein könnte als es eben ist. Was für die äußeren Umstände und Gegebenheiten gilt, gilt erst recht für unliebsame, als störend und lästig empfundene Zeitgenossen – deren es bekanntlich in und um München herum mehr als genug gibt.

20140729_1025Dementsprechend ist der bairische Schimpf-Wortschatz ein Beleg für den Erfindungsreichtum, für die schöpferische Fantasie und prosaische Poesie der bajuwarischen Seele. Schimpfen ist wie Lachen – es macht ungemein Spaß und den Kopf frei! Schimpfen Sie mit! Also auf geht’s: BAUERNZIPFEL, BETTSOACHER, DOTSCHEN, DRECKMATZ, FACKL, FALOTT, FLITSCHEN, GEWANDLAUS, GLETZEN, HACHEL, HADERN, HEUGEIGEN. Wisst’s mehr, dann her damit…

Dinesh Bauer

Schmökern Sie doch ein wenig in einen meiner Bayern- und Alpen-Krimis. Wie es sich für weiß-blaue Geschichten gehört, geht es da richtig „rund“.

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