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Auf dem Jochberg hat man einen Logenplatz. 1565 Meter hoch, liegt er direkt zwischen Kochel- und Walchensee. Nach Norden liegt einen das Alpenvorland zu Füßen, nach Süden hat man sie steinerne Silhouette des Karwendels im Blick. Nach Westen hin ist man fast auf Augenhöhe mit Herzogstand und Heimgarten. Gegen Osten schaut die Benediktenwand etwas grimmig drein. Die Aussicht lohnt den Aufstieg allemal: bei klarer Sicht kann man im Norden den Münchener Olympiaturm erspähen, im Süden erweckt der Fernblick Fernweh nach den wilden Karwendel-Zacken und den Bergen Tirols. Der Berg hat zwei Gesichter, ja er trägt einen Januskopf auf seinen Schultern.

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Vom Kochelsee machen die wilden Schrofen der Nordwand einen abweisenden Eindruck. Ein sich alpin gebärdender Mini-Watzmann. Von Süden, von der Jocheralm her, bietet sich dagegen ein vollkommen anderes, pastorales Bild. Da grasen die braun gefleckten Kühe und ein mäßig steiler Wiesenhang streicht bis zum Gipfel hinauf. Die blühenden Almwiesen und das rustikale Almgebäude vervollständigen das Bild vom friedlichen Alm-Paradies made in Bayern.

20141110_1510Mein Vater hat den Jochberg über 50-mal bestiegen – und ich selbst stand mit 5 oder 6 Jahren zum ersten Mal oben am Gipfelkreuz. Ein bleibender Eindruck. Vor 40 Jahren ging es hier noch beschaulich zu. Und man saß zu zweit oder zu dritt bei Bier und Brotzeit zusammen, im stillen Gipfel-Glück vereint. Die Zeiten sind an dem „Event-Berg“ leider längst vorbei: Heute ist man dort oben höchstens noch in einer klaren, eisig kalten Neumondnacht Mitte Januar allein. Denn der beliebte, vom Kesselberg aus leicht erreichbare Ausflugsgipfel zieht wahre Heerscharen von Wanderern, ja von Family-Tourern mit Buggy & Co. schier magnetisch an. Die Normalroute sollte man also zu den „gängigen Zeiten“ strikt meiden – und lieber die weiteren Anmarschwege von Sachenbach, Kochel oder der Jachenau in Kauf nehmen. Und sich nur kurz am Gipfel aufhalten – hat das ganze dort oben doch oft den Charakter eines Berg- Open-Airs mit Kind, Kühltasche und Kegel.

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Noch ein Wort zu Geologie und Morphologie: der Berg war während der letzten Eiszeit ein Nunatak – sein Gipfel spitzte rund 150 Meter aus dem ihn umgebenden Eisstrom hervor. Der Kesselberg, der tiefe Einschnitt zwischen Herzogstand und Jochberg, war ein Alpentor aus dem sich ein Nebenarm des Isargletschers ins Alpenvorland hinab wälzte. Zu seiner besten Zeit konnte er es mit den Gletschern Grönlands durchaus aufnehmen. Die steile Nordseite des Jochberges ist geprägt von senkrecht stehenden Hauptdolomitplatten aus der Oberen Trias – und schaut dementsprechend faltig und streng aus wie ein biblisches Patriarchen-Haupt.

Dinesh Bauer

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