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09_Huber_großOhne Seil- und Rückversicherung stieg er durch die steilsten und schwierigsten Wände. Er tastete sich in Bereiche vor, in die sich niemand vor ihm gewagt hatte. Der Extremkletterer Alexander Huber hat auf seinen waghalsigen Alleingängen mehr als einmal sein Leben in die Waagschale des Schicksals geworfen. Im Herbst 2013 hat er ein Buch über Macht und Ohnmacht der Angst geschrieben – und über die Zeit, als ihn die Furcht vor dem „schwarzen Loch“ fast in die Knie gezwungen hätte.

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Für Alexander Huber hat bei seinen spektakulären Grenzgängen, wie bei der extrem schwierigen Direttissima der Großen Zinne in den Dolomiten, immer wieder die Erfahrung gemacht, dass „die Angst ein steter Begleiter ist, die man zum Überleben braucht.“ Das Gesicht der Angst trägt für ihn einen Januskopf. Die Angst ist Freund und Feind zugleich.

Alexander Huber weiß wovon er spricht. Vor einiger Zeit hat er eine Angsterkrankung überwunden. „Der Auslöser war Druck von außen, ich wollte nicht andauernd kritisiert werden“, resümiert er. Dazu seien ihm private und finanzielle Probleme über den Kopf gewachsen: „Mich kotzte alles an, ich wollte nur, dass die Tage am Berg möglichst schnell vorbeigehen. Die Quelle für die Kraft in meinem Leben war auf einmal dahin.“ Medikamentöse Behandlungen seien für ihn als Sportler Tabu gewesen. „Ich habe in vielen Gesprächen gelernt, Kritik nicht mehr so an mich heranzulassen.“ Wie eine schwierige Passage im Fels habe er sein Problem nicht umgehen können, „sondern musste es überwinden – wie einen Berg.“

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Angst ist für Huber aber auch ein Katalysator um über sich hinaus zu gehen und voll konzentriert die schwierigsten Stellen – sowohl in der Wand als auch im wahren Leben – zu meistern. Über diese Facetten hat er ein Buch geschrieben: „Die Angst. Dein bester Freund.“ Er schildert darin, wie er im Angesicht der himmelhoch über ihn aufragenden Giga-Wand zaudert, zweifelt, wieder umkehrt – und sich dann doch mit neuer Kraft, Konzentration und der festen Überzeugung es „schaffen zu können“, auf den Weg macht. Dabei erlebt er Momente ungeheurer Intensität. „Ich bringe mein Leben als Einsatz in das Spiel, und deswegen wird das Erleben jetzt so tief und intensiv.“

02_AutogrammeSo zieht er das Resümee: „Die Angst hat ein Lob verdient, ein besseres Bild als jenes, das nur allzu oft gezeichnet wird. Die Angst hat viel in mir bewegt, mich weitergebracht.“ Das gelte nicht nur in den Bergen. „Nicht jeder muss ein Extremsportler werden. Aber es lohnt sich, mutig zu sein und ein gewisses Risiko einzugehen.“ Huber stellt sich jedoch auch der dunklen Seite der Angst: die Leere nach der „Großtat“, Leistungsdruck, Existenzangst, Depressionen, Burnout. „Mit einem Mal habe ich Angst vor der Angst bekommen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich professionelle Hilfe gesucht habe, die mich langsam wieder auf die Spur gebracht hat.“

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Free Solo ist für Huber heute kein Thema mehr. Der mittlerweile 45-jährige hat einen Schlussstrich unter den Lebensabschnitt des Extrem-Kletterers gezogen. Das hängt weniger damit zusammen, dass Huber zusammen mit Lebensgefährtin und Tochter „Wurzeln geschlagen“ hat, sondern mit der Erkenntnis, dass er das Maximum erreicht hat: „Ich bin beim Free-Solo-Klettern absolut an meine Grenzen gegangen. Das erste Erlebnis war das Original“ – und nicht zu übertreffen. Huber hat sich andere „Höhenziele“ gesetzt: Mit dem Alter komme der Ausdauersport, der Marathon: Höhenbergsteigen. Ein richtig schwerer Berg im Alleingang. Denn, „die Kondition ist noch da“ ist der „Huberbua“ von früher überzeugt.

Dinesh Bauer

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