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Ein Biergarten in Eberfing, einem Bauerndorf bei Weilheim. Drinnen wird Hochzeit gefeiert. Wir sitzen draußen am „Katzentisch“. Zwei Zaungäste, die „im stillen Eck“ ihr Radler trinken. Da öffnet sich die Tür zum Saal. Der Hochzeitslader, Braut und Bräutigam stürmen heraus. Die ganze Hochzeitsgesellschaft stürzt dem Brautpaar hinterher. Ein jeder hat seinen Vordermann bei der Schulter gepackt. Beherzt werden die ausladenden Hüften im Takt gewiegt, schließlich will man nicht als Spielverderber mit Schmollmund am Pranger stehen.

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Die Musikanten begleiten den Exodus „in Weiß“ mit Ziehharmonika und Zupfgeige. Was zu der Polonaise aufgespielt wird? Der Zillertaler Hochzeitsmarsch – welch Frage? Jeder kennt ihn – aus dem Musikantenstadl, aus den Bierzelten auf der Wies’n und aus der Allianz-Arena. Wenn für die Bayern dahoam ein Tor fällt – und das fällt oft – dann dröhnt und dudelt aus den Stadionboxen die unverwechselbare, mitreißende „Mitgröhl“-Melodie. Bekannt gemacht hat den Song mit dem „Gute Laune-Groove“ die Kult-Band der volkstümlichen Musik: die Zillertaler Schürzenjäger. Doch eigentlich ist der Ohrwurm aus den Alpen ein originäres Stück traditioneller Volksmusik.

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Der „Marsch“ klingt so militärisch, militant nicht, denn im musikalischen Sinn handelt es sich dabei um einen „Tramplan“. Das hat mitnichten etwas mit trampeln und dem „trara“ der Blechbläser zu tun. Der Tramplan ist eine Art Polka, eine „Polka tremblante“ mit schnellen, stampfenden, einpeitschenden Rhythmus. Die „Francaisen“ – Tänze im französischem Stil und Gusto – waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts äußerst beliebt. Und zwar im bürgerlichen Milieu. Doch was in der Stadt „en vogue“ war, wurde über kurz oder lang auch auf dem flachen oder wie in diesem Fall gebirgigen Land populär. Die Melodien wurden adaptiert und nach dem ruralen, derben Geschmack der bäuerlichen Bevölkerung umgemodelt. So auch von von Geigenmusikanten im Zillertal. Die heiter und unbeschwert klingende Melodie, der „fetzige Tanzboden-Sound“ lockte die ganze „Bagage“ aufs Parkett – und eignete sich deswegen ideal als Stimmungsmacher auf Hochzeiten und anderen Festivitäten. Wie man zu dem „Tramplan“ ursprünglich tanzte? Nun gewiss nicht wie Moik im Musikantenstadel. Beim Tanzvergnügen anno dazumal war wohl eine Symbiose aus „Boarischem“, Polka und Galopp angesagt. Hauptsache war, „das was geht“!

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Der Zillertaler Tramplan im speziellen ist eine Geigenpolka mit einer schnell gespielten geradtaktigen Melodie, die schon vor 100 Jahren zum Standardprogramm Tiroler Volksmusikanten zählte. Der Wiener Volkskundler und Musikwissenschaftler Karl Horak ließ die Noten in den 30er Jahren erstmalig aufs Blatt drucken. Sein „Gewährsmann“ Hans Wurm, vulgo „Millacher“, aus Hart am Ziller hatte das Stück 1902 unter dem „programmatisch-prosaischen“ Titel „Tramplano der Hupfende – ha ha“ erstmals handschriftlich fixiert. Auf Initiative von Horak wurde der Tramplan 1956 auf Schallplatte aufgenommen. Die Interpreten waren das Streichquartett Aschenwald unterm Geigenbogen von Johann Aschenwald vulgo „Schotter Hansl“ aus Mayrhofen. Als Lohn für ihre „Sessionarbeit“ bekam jeder Musiker ein Gulasch und ein Bier vorgesetzt.

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Zum Gassenhauer wurde das Stück jedoch erst in den 90er Jahren in der Mitschunkel-Version der Zillertaler Schürzenjäger. Im Jahr 1987 flimmerte ihre eingängige Interpretation der Geigenpolka mit dynamischen Schlagzeug-Beat erstmals bei einem Musikantenstadl über die Mattscheibe. Von da an gehörte der Publikumsrenner zum Standardrepertoire der Schlager-Rocker. Dass dabei für Steinlechner, Eberharter & Co. mehr als ein Gulasch und ein Seidl Bier heraussprang, versteht sich. Seitdem ist der „Hochzeitsmarsch“ aus dem Tourital musikalisches Allgemeingut und in jedem „besserem Bierzelt“ zu Hause. Ohne „Tralala, tralala“ wäre die schöne, heile „Berg-Welt“ nur halb so heiter.

Dinesh Bauer

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Reinhören?

http://www.youtube.com/watch?v=7F1MVIoiauE

http://www.youtube.com/watch?v=dvyU2HUeI7Y

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