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Alle Jahre wieder zwischen Neujahr und dem Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar machen sie sich in mehr oder weniger phantasievoller “orientalischer” Aufmachung auf den Weg: die Sternsinger. Die kleinen Sänger trällern mehr oder weniger wohlklingende Waisen über die “Weisen aus dem Morgenland” und kritzeln mit geweihter Kreide die Buchstaben C, M, B samt der jeweiligen Jahreszahl, also 2013, 2014 und so weiter an Türbalken und Türstöcke.

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Was bedeutet nun jenes ominöse Akronym CMB? Steht es für die Namen der drei Könige, als da der Tradition nach wären Caspar, Melchior und Balthasar? Oder steht das Kürzel für den lateinischen Segensspruch “Christus mansionem benedicat”? Das bedeutet auf Hochdeutsch übersetzt in etwa “Christus schütze dieses Haus”. Diese Segnung hat ihren Ursprung im Aberglauben der Kelten. Magische Zeichen und Zaubersprüche sollten böse Geister schon an der Türschwelle stoppen, die Bewohner vor den Unbilden des Wetters und vor Unfällen beschützen.

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Das Sternsingen als christlicher Brauch geht auf die Erwähnung der Sterndeuter im zweiten Kapitel des Evangeliums nach Matthäus zurück. In den anderen drei Evangelien kommen die fremdländischen “Sterndeuter” hingegen nicht vor. Nehmen wir also die “Heiligen Drei Könige”, deren Gebeine seit dem Jahr 1164 in einem Reliquienschrein im Kölner Dom ruhen, etwas genauer unter die Lupe.

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Welche Berufsbezeichnung ist eigentlich die Richtige? Waren die drei nun Magier, Weise oder Könige? Bei Matthäus ist wie erwähnt lediglich die Rede von “Sterndeutern aus dem Osten”. Im griechischen Originaltext findet das Wort “Magoi” Verwendung – also persische Priester im engeren, Stern- und Orakeldeuter im weiteren Sinne. Nach heute gebräuchlichen Begriffen handelte es sich also um Astrologen oder Astronomen, die eine ungewöhnliche Himmelserscheinung am Firmament beobachteten. Sie folgten dem strahlenden Stern bis nach Bethlehem, sinken vor dem Jesuskind in die Knie und bringen ihm Geschenke dar.

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Matthäus, weiß auch welche: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Der Evangelist vergisst hingegen zu erwähnen, wie viele “Magoi” nun um die Krippe herum standen. Ein früher “Bibelexeget”, ein gewisser Origenes, nahm im 3. Jahrhundert analog der Zahl ihrer Gaben an, dass es “Drei Sterndeuter” gewesen sein mussten, die Jung-Jesus huldigten. Erst im 6. Jahrhundert kam Cäsarius von Arles auf die Idee, dass die Drei königlichen Geblüts sein mussten. Wahrscheinlich basiert seine Annahme auf den exquisiten, splendiden Geschenken – also Gold und Spezereien.

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Der Auftritt von “Magier-Monarchen” aus fernen Weltgegenden lässt sich in ausdrucksstarken, metaphorischen Bildern ausmalen: Die Mächtigen senken ihr Haupt vor dem unschuldigen Kind in der Krippe, der von “ganz oben” auserkoren ist Messias und Heiland, ja das “Licht der Welt” zu werden.

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Wie kamen die “Könige” nun zu ihren uns heute überlieferten Namen? Kaspar ist ein persischer, Balthasar ein babylonischer und Melchior ein Name hebräischer Herkunft. In der Bibel belieben die Sterndeuter anonym Sterndeuter – sie werden nicht namentlich benannt. Als “unidentifizierte Anbeter” wandeln sie über Jahrhunderte hindurch im Dunkel der Geschichte. Erst der Verfasser der “Legenda aurea” Jakobus von Voragine nennt Mitte des 13. Jahrhundrts die angeblich hebräischen Namen Appelius, Amerius und Damascus und liefert deren griechische Übersetzung Galgalat, Balthasar und Melchior gleich mit. In seiner babylonischen Form „Beltschazzar“ bedeutet der Name „Gott schütze sein Leben“. „Melech“ heißt auf Hebräisch schlicht und einfach König. Melchior bedeutet in etwa „König des Lichts“. Der englische Benediktinermönch Beda Venerabilis ordnete schließlich um 700 herum dem “Bethlehem-Trio” die drei Lebensalter des Menschen und die damals bekannten Kontinente zu: Der junge Kaspar wird zum Nubier aus Afrika umgemodelt, der Melchior zur ehrwürdigen Figur eines Patriarchen aus dem Okzident. Allein Balthasar bleibt seiner Herkunft treu: ein orientalischer König aus Babylonien oder Persien.

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Die Mysterienspiele des 9. Jahrhunderts verhelfen den “Heiligen Drei” zu ungeahnten Ruhm und sichern dem Triumvirat einen Stammplatz in der christlich-abendländischen Kultur. Zunächst Kaspar, später dann Melchior wurde zum „Mohren“ und zum “Primus inter pares” aufgewertet. Die zunehmende Popularität von König Kaspar führte hingegen zu dessen gesellschaftlichen Abstieg. Die im gemeinen Volk beliebte Figur machte dafür als komischer Kerl, als „Kasperl“ Karriere im Marionettentheater.

Dinesh Bauer 20 * C+M+B 14

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