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20140223_0263P1020499Rosafarbene Flamingos flattern, die Rotoren eines in Tarnfarbe getunkten Hubschraubers knattern, eine sanfte Brise weht vom Meer her und rauscht im Wedel der Palmen. Ein Schnellboot dümpelt in der Brandung, in Metallkisten und Plastiksäcken verpackte Gegenstände unbekannter Provenienz wechseln den Besitzer. Ein unscheinbarer brauner Lederkoffer folgt ihnen. Ein harter Händedruck, ein kurzes Nicken zweier kahlrasierter Schädel – und der Deal ist über die Bühne. Dubiose Gestalten, die keinen Blick für den Sonnenuntergang in chromatischen Cinemascope erübrigen. Pinselstrich um Pinselstrich, Pixel für Pixel verwandelt sich die blau grundierte Leinwand von Himmel und Ozean in ein impressionistisches Farbenmeer. Ende der ersten Einstellung, Schnitt.

Die Schwärzer von Schleching

Schmuggler – wer denkt da nicht an ultracoole Halbwelttypen in Maßanzügen und verspiegelten Fliegerbrillen, an Undercover-Agenten mit Dreitagesbart und mit Gel geformte Tarantino-Tolle, schwarze Koffer und weißes Pulver. Szenen die im kolumbianischen Dschungel, in düsteren Rotlichtkaschemmen und an weißen Karibikstränden spielen. Aber es muss nicht immer Koks und Kalaschnikow sein.

Es gab auch andere Schmuggelware. Und die wurde auf versteckten Pfaden entlang der Tiroler Achen über die „grüne Grenze“ zwischen Bayern und Tirol geschafft. In der „guten, alten Zeit“ betrieben die „Schwärzer“ in den dichten Wäldern diesseits und jenseits des „Austria-Äquators“ ihre dubiosen, meistenteils illegalen Geschäfte. An die Aktivitäten der „Schieber“ erinnert bis heute der alte Schmugglerweg, der von Schleching durch die tief ins Kalkgestein gefräste Felsschlucht der Ache mäandert. Die Trasse des gut markierten Wanderwegs verläuft größtenteils auf der des alten Saumpfads der „Samer“.

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Der Name „Schmugglerweg“ erinnert an die gute alte Zeit, als es noch keine EU gab und die unterschiedlichen Zölle in Tirol und Bayern das „Schwärzen“ zu einem lukrativen Erwerbszweig machten. Die Schmuggelei erlebte in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen ihre Blütezeit. Bei Nacht und Nebel wurde „heiße Ware“ – Zigaretten, Kaffee, Rum, Branntwein ja sogar ganze Käselaibe – am Zoll vorbei „importiert“ und „exportiert“.

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Durchs „Antenloch“ nach Tirol

Der Klobensteinpass ist ein uralter Übergang – dies belegen Funde wie Ring- und Spangenbarren aus der Bronzezeit. Der Handelsweg verband die Berg- und Hüttenwerke in Kitzbühel, Brixlegg oder Schwaz mit dem Chiemgau. Im Mittelalter wurden vor allem Wein und Salz über den Pass gekarrt. Die Saumwege hoch über der Ache bezeichnete der bayerische Hofkartograph Philipp Apian Ende des 16. Jahrhunderts „als eng und sehr holprig“. Der Weg war so schmal, dass er nur Platz für ein Pferd bot. Die Schlechinger Bauern übernahmen im „Nebenerwerb“ den Job des Säumers und „Weinzinsers“ – und transportierten auf den Rücken ihrer Rösser Weinfässer und Salzblöcke von Süd nach Nord, respektive von Nord nach Süd. Das Entenloch, in alten Karten auch als „Antenloch“ bezeichnet, markiert den Engpass der Tiroler Ache. Der Name „Entenloch“ – der übrigens nichts mit dem gleichnamigen Federvieh zu tun hat – erscheint bereits in einer Literalie des Kloster Frauenchiemsee.

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Bei „Loch“ handelt es sich vielmehr um eine veraltete Bezeichnung für eine Schlucht, und als „Ente“ wurde früher der Fuß eines Berges, also sein Ende bezeichnet. Bei Hochwasser wurde die nur 3,50 Meter schmale Engstelle in der Entenlochklamm oft durch Schwemmholz „verklaust“, sprich verstopft. Der Rückstau führte regelmäßig zu Überschwemmungen bis nach Kössen in Tirol hinauf. Alte Überlieferungen berichten, dass Zuchthäusler mit der lebensgefährlichen Arbeit betraut wurden, die verstopfte Engstelle frei zu hacken – umso selbst ihre Freiheit wieder zu erlangen. In den Jahren 1908 bis 1910 wurde die Klamm mittels aufwändiger Sprengarbeiten auf eine Breite von 12 Metern erweitert. Im Jahr 1980 wurde eine Hängebrücke gebaut, die seitdem die Klamm an ihrer engsten Stelle überbrückt.

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Der Klobenstein: Magischer Ort an der Grenze

Pass, Wallfahrtskirche und Gasthaus haben ihren Namen vom „geklobenen Stein“ – das Relikt eines Felssturzes am Ende der letzten Eiszeit. Die Sage erzählt indes eine andere, treuherzige Geschichte: Ein altes „Muatterl“ wurde von dem herabstürzenden Felsbrocken bedroht. In seiner Not rief es die Muttergottes an und wurde gerettet, da der Stein prompt in zwei Teile zerbrach.  Direkt oberhalb des gespaltenen Steins erhebt sich die Wallfahrtskirche Maria Klobenstein.

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Ein verwunschener, magischer Ort, dem etwas „Heiliges“, „Druidisches“ anhaftet.  Geschichtlich greifbar wird der Sakralbau allerdings erst im 17. Jahrhundert. Am 5. Juni 1707 wurde die Waldkapelle mit dem Gnadenbild der „Schwarzen“ oder „Bayerischen Muttergottes“ feierlich geweiht. Der jetzige Kirchbau mit seinem kleinen Türmchen und dem extrem schrägen Schindeldach wurde in den Jahren 1732/33 hochgezogen. Viele Votivtafeln erinnern an wundersame Heilungen und an die Errettung aus tiefer Not. An den Fuß des Klobensteins schmiegt sich eine Lourdeskapelle. Das Wasser der dort entspringenden Quelle besitzt angeblich eine besondere Heilkraft – und soll bei Augenleiden helfen. Das Klobensteiner Wirtshaus geht auf eine Ensiedelei zurück und lockt mit Brettljausen und Tiroler Wein Wallfahrer wie Wanderer zur Einkehr.

Dinesh Bauer

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Wandern auf dem „Schmugglerweg“

Gehzeit: 9 Kilometer, rund 3 Stunden, Ausgangspunkt: Parkplatz an der Geigelstein-Bahn in Ettenhausen

Wegbeschreibung:

Der Schotterweg streckt sich zunächst durch saftige Wiesen, ehe er in schattigen Mischwald eintaucht. Ein Abzweig führt zum idyllisch gelegenen Rudersburger See. Auf einer Länge von 6 Kilometern schlängelt sich der Schmugglerweg etwa 50 Höhenmeter oberhalb der Schlucht der Ache fast eben dahin. Die zahlreichen Kurven und Schleifen bieten dem Wanderer Abwechslung und vermitteln immer wieder neue Ein- und Weitblicke. Zum Beispiel den Blick hinauf zum Gipfel der Rudersburg oder hinüber zur Streichenkirche, einem Kunstkleinod aus gotischer Zeit. Seltene Blumen wir Waldrebe oder Türkenbund sowie regelrechte Farnwälder säumen den Wegesrand. Ein Marterl erinnert an den hier tödlich verunglückten Weidlechnerbauern von Ettenhausen. Sprudelnde Quellen erfrischen den Wanderer mit ihrem köstlichen Nass. Nach der Grenze – dort steht neben den Grenzschildern noch ein altes Postenhäuschen – geht es etwas bergauf und dann mäßig steil bergab. Einige Serpentinen führen zum Fluss hinunter. Die Klamm überquert man auf einer imposanten Hängebrücke – eineinhalb Meter breit und 20 Meter lang. Der Blick hinunter in die enge Schlucht und das wild tosende Wasser lässt einen schwindeln. Von dort führt ein Waldweg in wenigen Gehminuten hinauf zur Wallfahrtskirche „Maria Klobenstein“ und der urigen, noch aus dem 18. Jahrhundert stammenden Jausenstation. Wie einst die Schwärzer kann man sich hier bei einer Brotzeit und einem Schoppen „Tiroler Roten“  für den Rückweg stärken. Von Klobenstein besteht eine Linienbusverbindung nach Schleching und Kössen.

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