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Winter wird’s – kälter wird’s. Same procedure as every year: Die Sonne macht sich rar, schrumpft zu einer fernen, fahlgelben Leuchtkugel. Die Tage schmelzen wie die Schneewehen im Föhnsturm dahin und erstarren zu Frostnächten, so lang und eisig wie die grimmigsten Gletscher Grönlands. Beim bloßen Gedanken an die „Raunächte“, an das sternhelle Firnfirmament, an die zu Eiskristallen gefrorenen Tümpel und Teiche jagen sibirische Schauer über unsere Rücken. Und es fröstelt mich bei der bloßen Erinnerung an die beißende, bösartig böige Kälte, an den klirrkalten Ostwind der sich durch den dicksten Stoff schlingt, in den wärmsten Mantel dringt.

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Es gibt indes Orte, wo es noch kälter als eis- und scheißkalt wird, wo sich die eisverkrusteten Türen des Gefrierschranks klirrend in ihren Angeln drehen. „Cold Spots“, Kältepole, die die Quecksilbersäulen der Thermometer eindicken und koagulieren lassen. Nicht auf der Zugspitze und nicht oben am Watzmann, sondern am Funtensee liegt jener kälteste Fleck Bayerns und Deutschlands auf der thermischen Landkarte. Der Bergsee liegt auf exakt 1601 Meter. Und als Badesee ist die Gebirgslache nur sehr bedingt geeignet. Am 24. Dezember 2001 wurden dort von den Sensoren der Wetterstation am Seeufer minus 45,9 Grad Celsius aufgezeichnet  – das ist absoluter Minusrekord. Bis dahin galten die am 12. Februar 1929 in Hüll in der Hallertau gemessenen minus 37,8 Grad als das „Maximum“ an Minus in deutschen Landen.

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Während der Kälteperiode im Januar 2009 meldete der Funtensee immerhin noch Temperaturen von bis zu minus 33,4 Grad. Arktische Temperaturen von 30 Grad unter dem Nullpunkt sind hier jedenfalls keine Rarität. Selbst in tropisch heißen Sommern kann es hier Nachtfrost geben. Der See im Karstgestein ist ein sonderbarer, abweisender Ort. Die Fläche des kleinen „Wassertupfers“ inmitten der Steinwüste beträgt in etwa 3,5 Hektar, die Uferlinie umspannt 780 Meter und seine größte Tiefe beträgt  5,30 Meter.Gespeist wird der See von zwei Rinnsalen, dem Stuhlgraben und dem Rennergraben. Ein sichtbarer Abfluss existiert nicht. Das Wasser fließt über ein unterirdisches Spaltensystem in die Teufelsmühle ab – und von dort weiter zum Königssee.

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Ein See im Steinernen Meer

Geomorphologisch betrachtet, handelt es sich beim Funtensee um eine eingestürzte Karstdoline. Das stille, unscheinbare Gewässer liegt in einer Mulde am Nordrand des gewaltigen Gebirgsstocks des Steinernen Meers. In das „finstere Loch“ verirrt sich in den Wintermonaten kaum einmal ein Sonnenstrahl. Die „Loch-Lage“ erklärt auch das Kälte-Phänomen. Die kalten Luftschichten sinken bekanntlich nach unten und „stauen“ sich über dem See. Infolgedessen bildet sich über dem zugefrorenen See ein eigner „Kaltluftsee“. An strahlend blauen Wintertagen und mehr noch in sternklaren „Nullnächten“ – sprich bei stabilen Hochdrucklagen mit trockener Luft und wenig Wind – wird es hier extrem „zapfig“ oder um es andersherum zu betrachten „arschkalt“.  Nur wenige Meter oberhalb des Sees kann es 15, auf den Bergspitzen ringsum 30 Grad „wärmer“ sein als unten im Eisloch. Das hier ein besonders Kleinklima herrscht, kann man daran erkennen, dass rings um den See kein Baum wächst. Die ersten Fichten stehen erst dreißig Meter oberhalb des Sees und erklimmen die Hänge bis zur in diesen nördlichen Breiten üblichen Baumgrenze in 1800 Metern.

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Extreme Kälte in „Lochlage“

Schuld an der Popularität des „Kältetopfs“ im Berchtesgadener Land ist ein Schweizer, der selbst unliebsame Schlagzeilen machte: der inzwischen von der Mattscheibe verschwundene Medien-Meteorologe Jörg Kachelmann. Auf die Initiative seiner Wetterfirma Meteomedia wurde eine vollautomatische Wetterstation errichtet. Diese Station sammelt sämtliche Daten aus dem natürlichen Gefrierschrank „down under“. Kachelmanns Meßmethoden werden jedoch von rivalisierenden Wetterfröschen kritisiert. Der Deutsche Wetterdienst misst die Temperatur beispielsweise standardmäßig zwei Meter über den Boden.

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Dazu muss man wissen, dass es in  Bodennähe tagsüber wärmer, in den Nächten jedoch kälter als in den Luftschichten darüber ist. Bei den Rekordmessungen an Weihnachten 2001 wurde jedoch nicht eindeutig dokumentiert, wie weit die Sensoren aus der Schneeschicht hervorlugten. Missgünstige Meteorologen vermuten, dass es nur wenige Zentimeter waren. Minusgrade hin, Minusgrade her. Die „Frostbeule“ im Naturpark Berchtesgadener Land lohnt allemal einen Abstecher. Und man kann in dem Eisloch sogar übernachten – zumindest in den „Sommermonaten“. 30 Meter oberhalb des Seespiegels liegt das dem Deutschen Alpenverein gehörende Kärlingerhaus. Und wie hieß es im Alp-Öhi Remake von Milka so schön: It’s cool Man!

Dinesh Bauer

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Weitere Infos:

www.funtensee.de

www.kaerlingerhaus.de

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