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“Der Weg ist immer besser als die schönste Herberge.” (Miguel de Cervantes)

Wir wandern, von dem einen Ort zum anderen. seit Urzeiten geht der Mensch auf Wanderschaft, das Wandern ist wahrlich nicht nur „des Müllers Lust“. Der Wandertrieb unserer Vorfahren steckt tief in unseren Genen. Diesen Drang umherzuziehen und nach Essbaren Ausschau zu halten, teilen wir mit Ratten und Heuschrecken. Vielleicht verfolgden wir die diese mit uns wanderenden Kreaturen, diesen Rivalen ums Revier mit solch erbitterten, unversöhnlichem Hass.

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“Ist der Berg auch noch so steil, a bisserl was geht allerweil.” (österreichisches Sprichwort)

In unserem Innern sind wir Nomaden geblieben. Das „Sesshaftwerden“ entsprang nicht etwa einem Bauchgefühl. Vielmehr sind wir noch heute geneigt, die Zelte abzubrechen und die Tapeten zu wechseln. Das sich niederlassen an einem Fleck, das zum „Bauern werden“ folgte einer zwingende Notwendigkeit, ging einher mit dem Bearbeiten des Bodens, mit dem Furchen ziehen, mit dem verbunden und gebunden sein an die „Scholle“.

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“Zu unserer Natur gehört die Bewegung, die vollkommene Ruhe ist der Tod.” (Blaise Pascal)

Die ursprünglich, archaische Daseinsform des Menschen war die des Jägers, des Hirten, des Sammlers, der mit den Jahreszeiten herumstreifte. Stets auf der der Suche nach Nahrung und vielleicht auch nach göttlicher Offenbarung und einem Gefühl von Freiheit und Ungebundenheit. Und wir wandern immer noch – meist nicht mehr um von A nach Z zu kommen, sondern aus anderen „zwecklosen“ Gründen: um uns zu bewegen, um zu meditieren, uns selbst zu erfahren oder besser zu ergehen.

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“Wenn Jemand eine Reise thut, so kann er was erzählen; drum nahm ich meinen Stock und Hut und thät das Reisen wählen.” (Matthias Claudius)

Der Wanderstab ist ein Ur-Utensil des Wanderers, ja der unverzichtbare Begleiter auf einer jeden Wanderschaft. In Form von Pilgerstäben, Wanderstecken oder Nordic Walking-Stöcken. Der Mensch stützt sich seit jeher, oder besser gesagt seit er aufrecht geht, auf ein solides Stück Holz. Um ein drittes Standbein, um eine Stütze zu haben, um fester und freier auszuschreiten.

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“Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.” (Johann Wolfgang von Goethe)

Ein Stock ist jedoch nicht nur Stütze und „Gehhilfe“, sondern auch Waffe. Das Schwert der Armen. Und so mancher Wandersgesell war „aus hartem Holz geschnitzt“, so dass es für den Angreifer „knüppeldick kam“. Mit dem knorrigen, kantigen Schlagstock setzte sich der Wandersmann gegen wilde, blutrünstige Bestien, gegen räuberische Galgenstricke und mordlüsternes Raubgesindel zur Wehr. Frei nach dem gut christlichen Motto: wenn Engelszungen nichts bewirken, lasst den Stock sprechen.

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“Ferne Berge seh ich glühen! Unruhvoller Wandersinn! Morgen will ich weiter ziehen, Weiß der Teufel, wohin!” (Wilhelm Busch)

Im Wald waren früher die Räuber, die Wegelagerer, Kriegsgurgeln und Malefizbuben. Die Zeiten sind passe. Längst hat sich die „Unterwelt“ aus dem Unterholz zurückgezogen und sich andere, lukrativere Betätigungsfelder gesucht. Heute bekommt es der Wanderer auf seinem Waldspaziergang, seiner Bergtour oder auf seinem Jakobsweg höchstens noch mit wild gewordenen Hunden und brünftigen Wildsauen zu tun.

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Und doch, der Wanderstab, der Geh- oder Teleskopstock hat nichts von seiner archaischer Anzeihungskraft auf den modernen Nomaden verloren. Wohin der Mensch auch geht, der Stock geht im Gleichschritt mit. Essenz des Wanderns ist das Erlebnis von Freiheit: scheinbar frei über Raum und Zeit zu bestimmen. Oder um meinen Lieblingsphilosophen Friedrich Nietzsche das letzte Wort haben zu lassen. “Wie komme ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!”

Dinesh Bauer

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