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Der Rabenkopf ist kein Hingucker. Der gut 1550 Meter hohe Berg in den bayerischen Voralpen macht keine sonderliche „bella figura“. Ja sein bewaldeter, wenig markanter Gipfel geht neben der benachbarten Benediktenwand mit ihrem charakteristischen hoch aufgereckten Walbuckel und dem Jochberg mit seiner felsigen Nordflanke „unter“.

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Dafür bietet der zerzackte, zerfurchte Felsblock, der den eigentlichen Gipfelaufbau bildet, einen famosen Panoramablick aufs Hochgebirge im Süden und Osten sowie das Voralpenland im Norden. Von schräg gegenüber schaut die Benediktenwand herüber, schon etwas weiter entfernt Richtung Südosten ziehen Roß- und Buchstein, Guffert, Demeljoch und Schafreuter wie etwas kokette Mannequins die Bergblicke auf sich.

Kopf2P1020142Nach Süden hin tauchen hinter Hirschhörnlkopf und Jochberg die Silhouetten von Karwendel und dem Wettersteingebirge auf. Als Krönung stanzt die Zugspitze ihr unverwechselbares, in Kalkstein gemeißeltes Konterfei in die himmlische Bläue.
Nach Westen zu – über den Kochelsee und sein weites Moor, weit jenseits des Heimgartens und des Estergebirges schneiden sich die gezackten Felskämme der Ammergauer Berge ins Blaue hinein. Ein Ausblick, der einen den durchaus strapaziösen Anstieg vergessen lässt.

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Auf den Rabenkopf kommt man entweder über den „Normalweg“ von Pessenbach über die Orterer-Alm und die Pessenbacher Schneid, oder auf zwei verschiedenen Wegvarianten von der Jachenau her.
Der „sanftere“ und gemütlichere Wald- und Almenweg führt über schöne Wiesenfleckerl an Lainl- und Walcher-Alm vorbei, der andere „alpinistisch“ etwas anspruchsvollere schlängelt sich als schmales Steiglein durch die pittoreske Rappinschlucht. Der gleichnamige Bach unten in der Felsenge tut mit munter schäumenden Wasserfällen und in den Fels gefrästen Gumpen sein Bestes, um der bayerischen Alpenlandschaft einen wildromantischen Stempel aufzupressen.

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Beide Aufstiegsvarianten vereinigen sich an der Staffel-Alm, die sich in einer leicht gewellten Wiesenmulde südlich des Gipfels sonnt. In der urigen Hütte hat sich übrigens der Expressionist Franz Marc verewigt. Marc stieg im Sommer gern von seiner Wahlheimat Kochel herauf zur Hütte – und ließ sich dort oben eine Brotzeit und eine Halbe schmecken.

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Bei einem seiner Besuche warf er mit sicheren, schnellen Zeichenstrich einen röhrenden Hirsch samt Geweih und Hirschkuh im Gefolge in hellen Blautönenan an die Wand. Das Blau des Himmels und der in der Ferne flimmernden Berge. Der ewige Transformationsprozess, die Eindrücke aus der Natur greif- und begreifbar werden zu lassen.

Dinesh Bauer

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