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Berg11

Was ist Freiheit? Freiheit ist die Möglichkeit aufzubrechen wohin der Mensch will. Und was eignet sich als Symbol der Freiheit mehr als ein Weg, der die Täler hinter sich lässt und sich hinauf zu den Gipfeln schwingt. Dem – na scheuen wir die abgedroschene Allegorie nicht – dem mächtigen Adler gleich?

Berg1

Denn in den Bergen wohnt die Freiheit, auf den Bergen ist sie zu Haus. Und welche Berg- Jahreszeit bietet sich mehr an um aufzubrechen als der Herbst? Nie scheint die Welt schöner, weiter und freier als in dem Moment, in dem sich das Jahr neigt, ein Lebenszyklus der Natur zu Ende geht.

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Jetzt ist der Himmel licht und von unendlicher, durchdringender Bläue, ist die Luft von luzider, majestätischer Klarheit, jetzt sind die Sinne wie ein Zen-Bogen gespannt, um die Farben und Konturen intensiver und plastischer wahrzunehmen. Der Herbst ist eine Zeit des Abschiedes, des Fortgehens, des Ausatmens. Wie die Blätter verfärbt sich die eigene Aura, wird konturierter und kontrastreicher.

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Es sind die zauberischen Tage des Übergangs, der Beginn eines Prozess tiefreichender Metamorphose. Der Herbst bereitet uns vor auf den großen Einschnitt, auf den Eishauch des Winters, die alles zerschneidende, zersetzende, zerstörende Kälte. Die Frostfinger, die mit ihrem Würgegriff all die belebte Natur auf Erden, die Pflanzen, Tiere und Menschen erschauern, erstarren, versteinern lassen.

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Der Herbst ist wie eine Abschiedsgala, das letzte Konzert auf einer langen Tournee. Es liegt etwas einmaliges, etwas verwunschenes in der farbigen, lodernd leuchtenden Pracht des Altweibersommers. In den Zwischenräumen schimmert schon das Dunkel der nun beängstigend schnell kürzer werdenden Tage.

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Indian Summer – in dem Wort schwingt etwas von der Weisheit der alten Indianer, der Schamanen, Medizinmänner und Geistertänzer. Es ist die Zeit sich umzublicken, zurückzuschauen und sich der Vergänglichkeit allen irdischen Seins vor das innere Auge zu führen. Es ist die Zeit sich der Vergangenheit und der vergangenen Zeit zu entsinnen. Eine Zeit des langen Erinnerns, an das was einmal war und nie mehr sein wird. Es ist für mich die Zeit noch einmal aufzubrechen, wohin der Weg auch gehen mag.

Dinesh Bauer

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Berg13

Hölderlins Gedicht „Lebenslauf“ ist eines das mich demütig sein lässt und andächtig und ehrerbietig den Stimmen der Natur lauschen heißt.

Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt
All uns nieder, das Leid beuget gewaltiger,
Doch es kehret umsonst nicht
Unser Bogen, woher er kommt.

Aufwärts oder hinab! herrschet in heilger Nacht,
Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt,
Herrscht im schiefesten Orkus
Nicht ein Grades, ein Recht noch auch ?

Berg7

Dies erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern
gleich, Habt ihr Himmlischen, ihr
Alleserhaltenden, Daß ich wüßte, mit Vorsicht
Mich des ebenen Pfades geführt.

Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern,
Und verstehe die Freiheit, Aufzubrechen, wohin er
will.

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