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Licht7 Licht9 Ohne Nacht, kein Tag, ohne Finsternis keine Erleuchtung. So lautet der ewige Dualismus der Dunkelheit. Licht und Schatten sind denn auch dankbare allegorische Motive und vielseitig verwendbare Metaphern-Lieferanten. Da ist jemand, der „das Licht scheut“, ein anderer wird „hinters Licht geführt“ und ein Dritter weiß dazu apodiktisch zu kolportieren: „Wo Licht ist, ist auch Schatten.“ Manch einer ist vielleicht kein „großes Licht“ hat aber dennoch seinen „lichten Moment“ in dem ihm das Kunststück gelingt, „Licht ins Dunkel zu bringen“.

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Da mag es einen kaum verwundern, dass es schon im Buch Genesis „Licht ward“ und am Anfang aller Geschichten und Gedanken das Feuer war. Licht und Feuer boten sich schon aufgrund des dualistischen Prinzips von Licht und Dunkel, von Erleuchtung und Blindheit, von lichtem Himmel und finsteren Unterwelten als Grundrepertoire der religiösen Thesenbildung an. Wo Licht war, war Schatten. Wo Gott hockte, hockte der Teufel. Die „guten Gottheiten“ sollten im Widerstreit mit ihren „bösen Gegenspielern“ „Licht ins Dunkel“ bringen. Gott hatte also die primäre Aufgabe die Schatten der Nacht zu verjagen, es Tag und damit hell werden zu lassen. Und nach den dunklen Seiten respektive Zeiten des Jahres, sprich dem Winter, die „schwarzen Teufel“, die „Dämonen der Dunkelheit“ mit lodernder Flamme austreiben.

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Das Licht spielte und spielt in vielen Kulten eine ganz entscheidende Rolle – als Symbol einer höheren Entität, einer überirdischen Lichtgestalt, die nicht von dieser Welt ist. Die unstoffliche Substanz des Lichts drängte sich als Gefäß für die Wesenheiten des Jenseits ja geradezu auf. So rankte sich um den in der Antike weithin verehrten Gott Mithras ein Mysterien- und Lichtkult. Und auch in anderen Mysterienbünden wie den diversen Spielarten der Freimaurerei schimmert die Licht-Symbolik bis heute durch. Und schließlich ist auch jeder Sonnen- per se ein Lichtkult. Egal ob er nun in Gestalt von Re/Ra, Aton oder als römischer Sonnengott „Sol invictus“ am östlichen Horizont auftaucht.

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Bei den Römern genoss die Sonne als Symbol des „Ewigen“, des „Dauerhaften“ auch in der Spielart des syrischen Sonnengotts Elagabal, höchstes Ansehen. Ja unter Kaiser Aurelian stieg der „kupferne Schuft“ im Jahr 274 zum „Herrn des römischen Reichs“ auf. Als Geburtstag der „unbesiegbaren Sonne“, als „Dies natalis Invicti“ galt – welch überraschender Zufall – der 25. Dezember. Nach dem Julianischen Kalender war dies der kürzeste Tag des Jahres, der Tag der Wintersonnenwende. Ab diesem Tag nahm „die Sonne zu“. Der Jahreszyklus konnte von neuem beginnen.

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Die Übereinstimmung des Sol-Feiertags am 25. Dezember mit dem christlichen Weihnachtsfest ist frappant – und alles andere als ein Zufall. Christi Geburt wurde Mitte des vierten Jahrhunderts, nachdem das Christentum nach Konstantin dem Großen zur „Staatsreligion“ avanciert war, auf den 25. Dezember verlegt. Niemand weiß zu sagen, wann Jesus geboren ist. In frühchristlichen Zeiten wurde die Geburt im Frühjahr vermutet. Weiß doch die Weihnachtsgeschichte des Lukas zu berichten, dass das Jesuskind zu jener Zeit das Licht der Welt erblickte, als die Hirten nachts auf den Weiden lagerten – also im Frühjahr, wenn die Lämmer geboren werden. Das Geburtstagsfest wurde also ganz bewusst mit dem Fest des Sol Invictus „gleichgeschaltet“ und zu einem Fest für Christen und Heiden vermengt.

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Christus und die Sonne – das wurde zu einem Begriffspaar. So wurde die biblische Prophezeiung „Aufgehen wird euch die Sonne der Gerechtigkeit“auf den Messias und Gottessohn aus Nazareth gemünzt. Ein anonymer christlich geprägter Autor der Spätantike machte keinen Hehl daraus, dass das heidnische Fest kurzerhand adaptiert wurde: „Die Heiden pflegen nämlich am 25. Dezember das Fest des Geburtstages der Sonne zu feiern und zu ihren Ehren Lichter zu entzünden. Zu diesen Riten luden sie oft auch Christen ein. Da nun die Lehrer der Kirche sahen, dass sich viele Christen zur Teilnahme an diesen Festen verleiten ließen, beschlossen sie, fortan am selben Tag das Fest der wahren Geburt zu begehen.“ Der Feiertag des Sol Invictus ist also seiner ursprünglichen mythologischen Bedeutung beraubt und „christianisiert“ worden.

Licht & Klang 2012 Hannover

Dass der jüdische Sabbat durch den christlichen Sonntag, den Tag der Sonne, ersetzt wurde, ist ein weiteres „sichtbares“ Indiz für die symbiotische Verschmelzung der frühchristlichen Religion mit dem römischen Sonnen-Kult. Konstantin der Große hatte den „verehrungswürdigen Tag der Sonne“ um 320 durch kaiserlichen Edikt zum öffentlichen Ruhetag erklären lassen. Die offizielle Bezeichnung „dies solis“ wurde zum Synonym des „dies domenica“, des Tag des Herrn. Der Tag also, an dem die Christen die Auferstehung Jesu feiern. Bis heute ist das Licht untrennbar mit dem christlichen Glauben verwoben: in Form von „Ewig-Licht-Lämpchen“, von geweihten Kerzen und „Lichtmessen“ umspannt es das ganze Spektrum des sichtbaren Lichts.

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Und in der magischen Farbigkeit der Kirchenfenster, die das Licht der Sonne wie ein Prisma in die Lichtstrahlen der Hoffnung und Erlösung aufspalten, wird vollends klar, dass das „göttliche Licht“ den Kern des Glaubens bildet. Und dann war da ja noch die sonderbar vage, diffuse Prometheus-Gestalt des Lichtbringers. Jener, wie hieß er noch einmal, Luzifer.

Dinesh Bauer

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