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Schuh2Stiefel waren stets ein Symbol der Macht. Marschschritt und Stiefeltritt gehen Hand in Hand, respektive Fuß in Fuß. Die spanischen Landsknechte mit ihren Stulpenstiefeln marschierten über die Anden und ließen den leicht beschürzten, indianischen Sandalenträgern nicht den Hauch einer Chance. Die gestiefelte und gespornte US-Kavallerie stieß ins Horn und ging mit Pulver und Blei daran die letzten Mokassin-Mohikaner zu massakrieren. Die Blauröcke in ihren blank polierten Reitstiefeln kartätschten die Rothäute mit wahrem Feuereifer in die ewigen Jagdgründe – beim Schuh des Manitu!

Stiefel9

Napoleon war nicht nur ein begnadeter Feldherr und „Schlachtenbummler“, sondern auch ein gewandter Logistiker. Überall ließ der „Usurpator“ Militärdepots anlegen – und Stiefel einlagern. Dabei sorgte er sich höchstselbst um die Qualität des Leders, denn seine Infanteristen sollten vor allem eines: marschieren – und für Kaiser und Vaterland in ihren Stiefeln
sterben.Schuh8

Und wo wäre Preußens Gloria ohne Pickelhaube und Knobelbecher? Die Haken zusammengeknallt – und zum Hohenfriedberger-Parademarsch in die Bataille gezogen. Allesamt, allzeit bereit! Und was wären all die Schlachtgemälde, ohne die nach Unterwerfung heischenden Tritte des schweren soldatischen Schuhwerks, das über die Kasernenhöfe hallt. Wer Kampf- und Springerstiefel trägt, trägt bis heute seine martialische Gesinnung zur Schau. Der stramm und fest sitzende „Stinkestiefel“, das maskuline Prada-Pendant.

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Im Gegensatz hierzu stehen die barfüßigen Kriegsgefangenen, die von ihren Bewachern mit den Gewehrkolben traktiert und endlose staubige Straßen entlang getrieben werden. Elende Jammergestalten, die einem ungewissen Schicksal entgegen wanken. Barfuß wie die Bettler, ein Inbegriff der Ohnmacht. Symptomatisch für dieses „stiefellose Scheitern“ ist Che Guevara. Zwischen Dornen, Geröll und Gestrüpp waren die Stiefel der Marx-Desperados aus dem Leim gegangen. Und die Ikone des revolutionären
Freiheitskampfs musste seine wunden, blutigen Füße mit Lianenlappen umwickeln. So geriet Che in die Gefangenschaft. Mit filzigen Bart und ohne Schuh. Umringt von schneidigen Soldknechten mit blank gewichsten Stiefeln. Die Message ist eindeutig: Stiefel machen Sieger.

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Das Stiefel Macht und Macht-Erhalt bedeuten, zeigt auf ebenso perfekte wie perfide Weise die Polit-Persiflage „Wag the Dog“. Der Held der Hollywood-Satire ist ein gewisser Sergeant Schumann, der den ehrenvollen Spitznamen „Old Shoe“ trägt. Bald hängen überall Schuhe herum, paarweise zusammengeschnürt, um die Unterstützung für den alten Haudegen zu bekunden.

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Prompt rollt eine Sympathiewelle für „Old Shoe“ durch das Land – und die passend pathetische Country-Ballade „Good old Shoe“ wird schnell im Tonarchiv aufgefunden, respektive rasch im TV-Studio dazu erfunden. Symptomatisch auch in diesem Fall: der „american hero“ existiert nur in der verpixelten PR-Welt, in Wahrheit wird ein Psychopath als Held präsentiert, der „passenderweise“ rechtzeitig erschossen wird, um als „verdienter Veteran“ mit allen militärischen Ehren beigesetzt zu werden.

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Als denn: bye, bye, good ol shoe! Oder: möge der Schuh, pardon die Macht mit dir sein!

Dinesh Bauer

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