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P1020102Menschen, die sich über schreiende Ungerechtigkeiten empörten, gegen die Unterdrücker aufmuckten und die Willkür „von oben“ bekämpften, gab es immer und überall. Im Norden wie im Süden, im Osten wie im Westen, zu allen Zeiten und aus den verschiedensten Motiven. In anderen Weltgegenden wurden die „Aufrührer“ als Rebellen, Partisanen, Umstürzler, Desperados, Insurgenten oder als Messias bezeichnet.

Das eine gewisse Geringschätzung zum Ausdruck bringende Vokabular sollte jenen freiheitsliebenden Menschenschlag herabwürdigen, diskreditieren und in die Nähe von Räubern, Strauchdieben, Mordbrennern und andern finsteren Gesellen rücken. In Oberbayern waren die Wilderer die „Revoluzzer“. Sie waren die heimlichen Helden, denn die Wilddiebe waren diejenigen, die gegen die „gottgegebene“, sprich von den Obrigkeiten dekretierte Ordnung zu Felde oder besser zu Walde zogen.

P1020499Im Wald da sind die Wilderer. Denn im Wald da gibt es Wild. Und eine leckere Rehkeule oder ein feines Hirschragout bedeutete für die armen Leut am Land ein Festschmaus. Die „Schwarzschützen“, die ohne Papiere und „Permit“ im Unterholz herumschlichen lebten indes brandgefährlich. Denn die Jäger – als gestrenge Vertreter jener Ordnung – waren die natürlichen Feinde der „Freischützen“. Schon von Amts wegen war es ihre Pflicht, den in fremden Revieren Wildernden das Waidwerk zu legen. Beide Forst-Fraktionen standen sich in unversöhnlicher Gegnerschaft gegenüber. Und so kam es immer wieder zu tödlichen Konfrontationen, ja zu feigen, hinterhältigen Mordtaten.

„Ich bin der bayrisch Hiesel, kei’ Kugel geht mir ein: Drum fürcht ich auch kein’ Jäger, sollt’s gleich der Teufel sein. I bin der Fürst der Wälder und koana is mir gleich, soweit der Himmi blau is soweit geht aa mei Reich!“ Im Volk genossen Wilderer wie der Matthias Klostermayer, der legendäre „Bayerische Hiasl“, einen guten Ruf.

386_Gefahr_SituationSie waren eine Art Robin Hood – sie nahmen den Reichen und gaben manchmal auch den Armen von ihrer Beute etwas ab. Und für die einfachen Bauern waren die Wildschützen ein Segen, sorgten sie doch dafür, dass ein paar Hirsche, Rehe und Sauen weniger ihre Felder plünderten. Den adligen Jagdherren war der durchs Wild verursachte „Flurschaden“ – vornehm ausgedrückt – herzlich egal. Die „Herren von Stand“ wollten jagen und eine möglichst große Anzahl von Rot- und Schwarzwild zur Strecke bringen – basta!

Perger 081In der Zeit der Romantik und des Biedermeier wurden die Wilderer zu unerschrockenen Naturburschen stilisiert, die die Gefahr verachteten und sich mit grimmen Mut an die starke Brust und in die Büsche schlugen. Manch schöngeistig veranlagter Poet, der in seiner stickigen Stube hockte widmete den urwüchsigen Wald- und Wiesen-Machos einige lyrische Zeilen, die deren am eigenen Leib schmerzlich vermisste, draufgängerische Männlichkeit verherrlichten: „Das Wild ist meine Freud, das schüssen meine Lust. Ein gutes Hemd dazu, und eine feste Brust. Macht erst den ganzen Mann, drum pfleg ich`s nicht zu achten, wenn einige erhizt mich zu verfolgen trachten.“ Nun ja, nicht jeder ist eben mit dem dichterischen Genius Goethes gesegnet.jenner7 Die bereits erwähnten „Konflikte“ zwischen den Jägersleuten und den tolldreisten Wilderern – das war der Stoff aus dem Heldenepen und Heimatdramen gewoben wurden.
Wie in den amerikanischen Western wurden die „Odel-Outlaws“, die raubeinigen, schießwütigen Teufelskerle zu „Heroen“ stilisiert, zu Ikonen des Sturm und Drangs, gar zu Abziehbildern des freien Germanenturms gemacht. Am Ende endeten die einstigen Freiheitshelden von einst in den Schablonen und Scherenschnitten von Groschenromanen, Heimatfilm-Romanzen und Zeitgeist-Satiren. Welch wahrlich tragisches Ende für Jennerwein & Co.!

Dinesh Bauer

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