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Dort wo der Inn die letzen Klippen der Kalkalpen verlässt und in die Ebene tritt, liegt der Petersberg. Der dicht bewaldete Felskegel erhebt sich knapp 400 Meter über den Wiesen und Auen des Inntals. Die Kelten und nach ihnen die Römer nannten die Felsbuckel „Mons maderanus“. Der Große und Kleine Madron waren besondere Ort, die eine spirituelle, sakrale Aura umgab.

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Auf dem plateauförmigen Gipfel des kleineren Felshügels wurde im frühen Mittelalter eine dem heiligen Petrus geweihte Kirche erbaut. Doch schon lange zuvor war die weithin sichtbare Erhebung eine Kultstätte, ein Kraftort. Das Wort Madron leitet sich von dem althochdeutschen „madal“ her – was „Versammlung“ oder „Berg der Gemeinschaft“ bedeutet. An die vorchristliche Geschichte erinnern spukhafte Sagen wie die vom „Teufelsloch“ oder vom „Heidenstein“.

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Die heiligen Plätze des heidnischen Götzen- und Aberglaubens waren den frühen Christen ein Dorn im Auge. Sie mussten einem Reinigungsritual unterzogen, die alten Geister exorziert werden. Was erschien dafür besser geeignet, als am selbigen Orte eine „Weihestätte“ zu errichten und unter den Schutz des „Oberapostel“ Petrus zu stellen. „Petrum“ bedeutet auf griechisch nichts anderes als Stein. Also war der Menschenfischer vom See Genezareth der ideale Patron, um die heidnischen „Opfersteine“ zu christianisieren.

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Bereits um die Jahrtausendwende wurde auf dem „Petersberg“ ein Kloster gegründet. Eine Handschrift aus dem Jahr 1170 nennt die Anlage beim Namen: „Monasterium sancti Petri in monte Maderone“. Ein Archäologenteam stieß bei seinen Grabungen im Gipfelbereich auf die Fundamente massiver Steingebäude – aus der Zahl der Zellen ließ sich auf eine klösterliche Gemeinschaft von 10 bis 12 Mönchen schließen. Funde von Keramik- und Glasscherben zeigten, dass die hier hausenden Brüder zu leben verstanden und irdischen Luxusgütern nicht abgeneigt waren. Bis heute erhalten hat sich der wuchtige, romanische Bau der Kirche. Dickes, archaisches Mauerwerk auf blankem, hartem Fels. Das Eingangsportal zeigt unverkennbar romanische Züge.

Das Tor ist offen, das Herz noch mehr!

Aus dem Stein der Säulen winden sich Widder und Bär – Reminiszenzen an die keltische Götterwelt. Das Dekor der Kapitelle verweist indes eindeutig auf die Symbolik des christlichen Kultkreises: Weinranken mit Trauben, Vögel mit langen Schnäbeln und Kornähren. An der Westfassade prangt das verwitterte Relief des „Chefs der Jünger“ – Petrus. Stilistische Vergleiche datieren das Relief auf das Jahr 1050. Bislang waren die Historiker davon ausgegangen, dass das Benediktinerkloster erst im Jahr 1130 von Graf Siboto von Falkenstein gegründet wurde.

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Im Vergleich zu anderen bayerischen Klöstern war dem „Madron-Monasterium“ kein langes Leben beschieden: 1296 wurde es bei den Auseinandersetzungen zwischen Adolf von Nassau und Albrecht von Habsburg um die deutsche Königskrone zerstört. Die Kirche aber blieb erhalten und wurde von Freising aus „gemanagt“. Ein hier ansässiger Unterpropst betreute über Jahrhunderte die Wallfahrt. Erst vor 60 Jahren – im Jahr 1951 – verließ der letzte „Expositus“ seinen „gottverlassenen“ Posten. Was blieb ist die Kirche – und die ein- oder andere Berg-Messe, dort wo einst die Druiden ihre Blutopfer darbrachten.

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Zum Petersberg hinauf führt der Apostelweg in 13 Stationen zum Himmel. Unterwegs zur famosen Aussicht laden die Marien- oder die Antoniuskapelle zur Rast, zu Gebet und Gebäck. Entlang des „Kreuz-Wegs“ stehen dreizehn Steinstelen mit Bronzereliefs des Bildhauers Josef Hamberger. Ihr Sujet: die Zwölf Apostel und der Messias. Eingeweiht wurde der Jünger-Weg 1978 vom damaligen Erzbischof Kardinal Ratzinger, der als Papst Benedikt XVI. ja bis nach Rom und in der „himmlischen Hierarchie“ auf Erden nach ganz oben kam. Doch auch ohne höhere Weihen erwartet den Wanderer am Ende des Wegs der Jünger ein lohnendes Ziel: ein urgemütliches Gasthaus in einem barocken Gebäude und ein unerwarteter Ausblick bis weit nach Bayern und Tirol hinein. Eine „Schau“ eben!

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Dinesh Bauer

http://www.berggasthaus-petersberg.de/

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