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Che und Christus – zwei Brüder im Geist? Zwei Revolutionäre, zwei Erlöserfiguren, der eine aus der Wüste Judäas, der andere aus dem Dschungel Kubas? Zwei, die gegen die bestehende Ordnung aufbegehrten und den Mächten des Imperialismus entgegentraten? Der eine bekämpfte das römische Imperium, der andere das kapitalistische Imperium der Vereinigten Staaten. Zwei verwandte Lichtgestalten, die einen ebenso ideellen wie idealistischen Gegenentwurf, das Reich Gottes, respektive das Reich der Gleichheit und Gerechtigkeit vor Augen hatten. Zwei Söhne, die gegen die „Übermacht“ der Väter rebellierten, der eine gegen Gottvater und die Macht des Gesetzes und der andere gegen Uncle Sam und die Macht des Geldes.

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Jesus Christus, die Blaupause für Ernesto Che Guevara? Zwei Ikonen, zwei Idole, zwei Idealbilder, der eine Christ, der andere Marxist? Ein Faksimile, eine Reproduktion? Natürlich bastelte Che von Beginn an, am eigenen Mythos – und wahrscheinlich lief die Mythenbildung und Mystifizierung im Fall des Nazareners, des Jesus von Nazareth nicht viel anders ab. Dass sich Che der Ikonographie sehr bewusst bediente, zeigen die vielen Fotos, die ihn bei der „Erlösungsarbeit“ in den Guerillalagern zeigen. Ein Bild des revolutionären Kampfes, war ihm ebenso wichtig wie der revolutionäre Kampf selbst. Waren diese „Bilder“ doch von propagandistischer Aussagekraft, die ihn zum marxistisch-leninistischen Heros machten, zum Heiligen nach dem Evangelium des Marx. Das entscheidende Foto war indes kein „Stilisiertes“ und Stilisierendes – denn es waren die siegreichen Feinde – die bolivianischen Büttel des US-Imperialismus – die nach Ches Ermordung auf den Auslöser drückten. Eine blutige Hinrichtung, ein kurzer Prozess – schwarz auf weiß dokumentiert. Die Aufnahme zeigt den aufgebahrten Leichnam von „Che Christus“. Ein hagerer, abgemagerter Mensch mit nacktem Oberkörper und langem, verfilzten Haar. Der Typus asketischer „Visionär“ wie er auch auf dem Turiner Grabtuch zu sehen ist!Bild

Paradoxerweise weckt dieses simple „Beweisbild“, das die Jäger von der erlegten Trophäe „schossen“, eine Flut christlicher Assoziationen. Ecce Che! „Er sah aus wie Christus“ – so eine Zeugin, eine deutsche Nonne, die die in dem kahlen Waschraum der Schule von La Higuera aufgebahrte Leiche vor sich sah! Hier liegt der Christus unserer Tage – ermordet von den Legionen des neuen Roms. Doch sein Grab bleibt leer – denn er ist wie Christus als mythische Gestalt wieder auferstanden. Und die wahre Leiche Ches wird hastig auf der Landebahn des Urwaldstädtchens Vallegrande verscharrt. Und ruht heute in einem monumentalen Mausoleum auf Kuba. Das heilige Grab des Che – ein Wallfahrtsort für Pilger aus aller Welt, die dem ewigen Revolutionär ihre Verehrung bezeugen.

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Die religiöse Dimension dieses modernen Mythos ist unübersehbar. Schon das klassische ikonenartige Poster-Porträt – mit Bart, Baskenmütze und dem goldenen Stern des Comandante – hat eine unverkennbare Ähnlichkeit mit Christus-Darstellungen. Die Botschaften Ches aus den Bergen Kubas und den Urwäldern Boliviens unterstreichen seine Rolle als Propheten des Proletariats, der seine Jünger ausschickt zum antiimperialistischen Kampf. Ein Mythos von einer enormen symbolischen Strahlkraft: Ein neuer Jesus Christus – der anstelle des Dornenkranzes eine Kalaschnikow trägt und beim letzten Abendmahl statt das Brot zu brechen, sich mit jungenhaften Lächeln eine Cohiba-Zigarre in den Mundwinkel schiebt. Hasta la victoria siempre!

Dinesh Bauer

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