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Im Wald da sind…

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…die Räuber, die Wildschützen und Aufrührer. Der Mythos Wald kennt viele Facetten. Eine davon ist der Mythos vom Refugium für Gesetzlose und Revolutionäre. Ein Wald ist das ideale Terrain, um Fallen zu stellen, das feindliche Fußvolk in den Hinterhalt zu locken, Überfälle auf den Tross zu verüben. Dass der Wald prädestiniert ist, für den Kampf  David contra Goliath wissen wir seit den Tagen Robin Hoods im Sherwood Forrest oder dem Sieg des Cheruskerfürsten Arminius über Roms Legionen im Teutoburger Wald. Tja, im Wald da sind sie die Räuber – vom Räuberhauptmann Mohr bis zu den Terroristen der RAF, die ihre Waffendepots im Wald anlegten.

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Der Strauchritter, der Guerillero, der Partisanenkämpfer – sie alle waren und sind im Wald unterwegs. Im tropischen Dschungel aber auch in den Urwäldern bei uns ums Eck. Sie liegen am Wegrand auf der Lauer, wissen wie man sich lautlos anschleicht und wie ein Phantom wieder verschwindet. Geächtete, Ausgestoßene und Untergrundkämpfer fanden eine zweite „Waldheimat“.

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Die zwielichtigen, zwischen Fichten und Tannen hausenden „wilden Männer“ kennen wir aus Märchen und Sagen und von der Filmleinwand her – Typen von Rübezahl bis Rambo – kraftstrotzende Gegenentwürfe des modernen, zivilisierten Menschen. Und wir kennen den Wald als Metapher der Finsternis, der dunklen Seite der Macht, der unsichtbaren, schattenhaften Bedrohung aus Filmen wie „Apocalypse Now“ oder „Die grünen Teufel vom Mekong“.

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Die Dschungelkämpfer verstanden es meisterlich ihre Strategie und Taktik an die Gegebenheiten des Urwalds anzupassen – und waren selbst für eine übermächtige Kriegsmaschinerie nur schwer aufzuspüren und noch schwerer zu besiegen. Diese Erfahrung machten die Amerikaner in Vietnam, diese Erfahrung bezahlte der römische Statthalter Varus im Jahr 9 nach Christus in der „grünen Hölle“ des Teutoburger Walds mit dem Leben. Denn was macht den Wald zum Wald? Im echten Urwald verlieren wir die Orientierung – das Dach der Blätter verwehrt uns den Blick auf den Stand der Sonne. Wir wissen nicht mehr wo Osten oder Süden ist! Alles sieht gleich aus, alles ist nass, glitschig und es ist düster dort. Moos wächst auf toten Bäumen, Lianen hängen wie grüne Baumschlangen von den Ästen. Hier gibt es kein geradeaus, keine Marschrichtung – höchstens nach Kompass und Machete.

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Ja der Wald im Naturzustand unserer Vorfahren ist ein unheimlicher, grausiger Ort, an dem sich Kobolde, Feen, Wichtel und Geister tummeln, in dem gallische Druiden und rothaarige Hexen wie in „Asterix“ ihre Zaubertränke brauen. Und da im Schatten der Eschen und Eichen werden geheimnisvolle, magischen Rituale zelebriert, die uns tief in die archaischen Schichten unseres Unterbewussten versetzen. In den heiligen Hainen sprudeln die Quellen der Mythologie. Das Wort „Wid“ der Kelten bedeutet nicht nur Wald, sondern stand im übertragenen Sinne auch für Wissen und Weisheit! Wer einen heiligen Baum fällte, dem war ein grausiger Opfertod gewiss. Die christlichen Missionare legten deshalb ganz bewusst die Axt an die heiligen Bäume wie die Donar-Eichen. Die alten Götter mussten fallen, ehe das Kreuz Christi – also ein totes Stück Holz – auf ihrer Asche aufgerichtet werden konnte.

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Der Wald, wie wir ihn heute kennen hat natürlich wenig gemein mit dem undurchdringlichen Dickicht der Vorväter und Widerstandskämpfer – er ist vermessen, schnurgerade Wege begrenzen die in Planquadrate zerschnittenen Forste. Der Wald wie er war, er ist ein Mythos, eine ferne Erinnerung! Doch noch immer spüren wir eine Sehnsucht nach dem „frischen Grün“ und bewegen uns am liebsten „im grünen Bereich.“

Dinesh Bauer

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