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P1010861Lehardi oder Lehards – so heißt der Leonhardi-Tag am 6. November auf bayerisch. Die Umritte, die Leonhardifahrten oder Leonahardiritte, finden seit Jahrhunderten zu Ehren des Patrons der Tiere statt. So in Bad Tölz, in Kreuth, in Benediktbeuern oder anderswo in weiß-blauen Landen. Der heilige Leonhard ist einer der beliebtesten Heiligen Altbayerns. Ein heiliger der Bauern und ihres Viehs. Natürlich gibt es die dazu passende Bauernregel: nach der vielen Arbeit schwere, an Leonhardi die Rösser ehre! An Leonhardi segnet der Pfarrer denn auch die Vierhufer und vor allem die Pferde. Das liebe Vieh wird mit Blumengebinden festlich geschmückt, damit es etwas „hermacht“, wenn es mit Weihwasser besprengt wird. Danach war schon immer Party angesagt! Bier und Brotzeit, danach Tanz und Buhlerei. Schließlich wollte der Mensch nach all den Totenfeiern an Allerheiligen auch in der dunklen Jahreszeit etwas Freud am Leben haben!

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Eigentlich ist der heilige Leonhard ein Franke, ein Franzose. Stammt er doch aus Limoges und war der Heiligen-Vita nach ein merowingischer Adeliger. In seinem Heimatland bekannt wurde er als Kettenheiliger und Schutzpatron der Gefangenen. In Altbayern legte er schon ab dem Hochmittelalter eine steile Karriere hin und zählte dort sogar zu den vierzehn Nothelfern.

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Diesen Popularitätsschub verdankte der „Franzos“, der Tatsache, dass er zum Patron und Fürsprecher des Stallviehs insbesondere von Kühen, Pferden und Ochsen aufstieg. Und das höchstwahrscheinlich aufgrund eines simplen Missverständnisses: die Ketten, die Attribute mit denen der Heilige stets abgebildet wurde, interpretierte man fälschlicherweise als Viehketten.

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Verehrt wurde er vor allem von Bauern, Stallknechten, Fuhrleuten, Schmieden und Schlossern. Ja im Bayernland bekam er den ehrenvollen Titel „bayerischer Herrgott“ oder „Bauernherrgott“ verliehen. Denn er kam im Oberland gleich nach Gott. Schließlich waren die „Hörndlbauern“ auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass ihr Vieh vor Seuchen verschont blieb.

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Das Viehsterben bedeutete ein existenzielles Problem, führt es doch fast unweigerlich den Hof in den Ruin. So lässt sich auch der barsche, vom heutigen Standpunkt einer „social correctness“ aus völlig inakzeptable Spruch verstehen: „Weiber sterben, is koa verderben! Ross verrecka, des ko schrecka!“ Der Heilige „Leo“ wurde und wird jedoch auch als Schutzheiliger der Wöchnerinnen verehrt, und bei Kopfschmerzen, Geistes- und Geschlechtskrankheiten angerufen. Der heilige Sankt Leonhard war also ein vielseitig verwendbarer Fürsprecher – und wohl auch deshalb in Bayern so beleibt. Es war ja nie verkehrt, wenn es beim Beten in einem „Aufwasch“ ging.

Dinesh Bauer

Hat euch die Geschichte gefallen? Dann könnt’s gern in meinen Alpen-Krimis blättern. Tät michfreuen!

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